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Die regulatorische Chronik von Eric de Nexon - Januar 2019

22/01/2019

Entdecken Sie hier im Video (bitte scrollen) mit Eric de Nexon, Head of Strategy, Market Infrastructures and Regulation, die wichtigsten Trends bei Fonds, Regulatorik, Politik und Marktinfrastrukturen, die unsere Diskussionen im Jahr 2019 begleiten werden. Das Transkript finden Sie untenstehend.

Guten Tag.

Zuerst möchte ich Ihnen ein frohes Neues Jahr wünschen, Glück und Gesundheit und viel Erfolg bei Ihren Plänen, auf privater Ebene und auch beruflich. Statt wie früher die vergangenen und künftigen Initiativen in allen Einzelheiten zu beschreiben, präsentierte ich Ihnen heute lieber die vier Grundtendenzen, die ihnen zugrunde liegen.

Die erste ist politisch und der Ausgang besonders ungewiss. Sie ist mit zwei wesentlichen, strukturierenden Ereignissen verbunden, über die wir keine Kontrolle haben. Zuerst wäre der Brexit zu nennen. Drei Monate vor dem entscheidenden Termin wissen wir immer noch nicht, wie Großbritannien aus der Europäischen Union austreten wird, und schon gar nicht, wie sich die künftigen Beziehungen zwischen den beiden Parteien gestalten. Wir können heute nur hoffen, dass die Notmaßnahmen, die getroffen wurden, bei einem harten Brexit ausreichen, um den Termin am 29. März 2019 wahrzunehmen und einen Rahmen zu gewährleisten, der sicherstellt, dass die Trennung zwischen Großbritannien und der EU ruhig und geordnet verläuft. Dann kommen die Europawahlen. Sie führen zur Erneuerung des europäischen Parlaments und der Ernennung einer neuen Kommission. Welche Politik wird wohl in diesem neuen Kontext geführt? Das wissen wir noch nicht.

Die zweite Grundtendenz betrifft die Bedingungen für nachhaltige bzw. ESG-Anlagen. Dieses Thema interessiert insbesondere Asset Manager und institutionelle Investoren, aber auch deren Partner. Die Kommission plant, zwischen 2019 und 2022 die ESG-Taxonomie zu verabschieden. Sie ist der Eckpfeiler der künftigen Bestimmungen für die Kennzeichnung nachhaltiger Modelle. Danach kommen die Meldepflichten,die Referenzindizes für die Messung der Finanzperformance und die Voraussetzungen für die Befragung der Anleger zu ihren Prioritäten in Bezug auf die Nachhaltigkeit.

Die dritte Grundtendenz betrifft die neuen Anwendungen für die neuen Technologien. In diesem Bereich sind die meisten Initiativen heute noch national, aber die Kommission stieß 2018 eine Maßnahme an. Sie interessiert sich dabei generell für FinTechs,aber auch für die Blockchain-Technologie und die Tokenisierung der Wirtschaft, für Crowdfunding und selbstverständlich für Datenmanagement und Cybersicherheit. Sie will den neuen Kontext besser einschätzen, um die Entwicklung zu begleiten, und zu diesem Zweck die aktuellen Regelwerke angemessen anpassen. In diesem Bereich ist mit zahlreichen Debatten zu rechnen. In den kommenden Jahren erwarten wir viele Initiativen. 

Schließlich dürfen wir auf keinen Fall die vierte Grundtendenz vergessen, nämlich die Infrastrukturprojekte, die von der Europäischen Zentralbank geleitet werden. Sie sieht sich als wesentlicher Akteur der Konsolidierung der Post-Trading-Infrastruktur in Europa und als Katalysator der Harmonisierung in diesem Bereich. Alles begann 2006 mit der T2S-Plattform, die heute eine einheitliche Wertpapierabwicklung gewährleistet für 23 Zentralverwahrer und 2 europäische Währungen. Diese Bestrebungen wurden 2018 fortgesetzt mit der Einführung der neuen TIPS-Plattform für Sofortzahlungen. Zwischen 2019 und Ende 2022 oder sogar darüber hinaus gehen die Pläne mit drei strukturierenden Projekten weiter, deren Auswirkungen auf die Investitionskosten und den Wandel nicht unterschätzt werden dürfen. Zuerst kommt die technische Konsolidierung der T2S- und der T2-Plattformen, in deren Rahmen T2, das RTGS des Eurosystems, umgestaltet werden soll. Das zweite Projekt betrifft die Einführung des ECMS zur einheitlichen Verwaltung von Sicherheiten. Das System wird für die geldpolitischen Transaktionen des Eurosystems genutzt. Das dritte Projekt betrifft die mögliche Einführung von EDDI, einem europäischen Zentralverwahrer für supranationale Anleiheemissionen. Der Startschuss für die entsprechende Vorstudie fiel vor Kurzem.

Sie sehen also: vier Grundtendenzen. Manche sind noch ungewiss, aber sie werden unsere Überlegungen und Aktivitäten im Jahr 2019 und danach bestimmen. Eine regulatorische Verschnaufpause steht also noch nicht an.

Nochmals frohes Neues Jahr und bis bald.

 

 

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