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Investmentfondsbranche: Aktuelle Trends in einem dynamischen Markt

06/02/2019

Mathieu Maurier, Country Manager bei Société Générale Securities Services (SGSS) in Luxemburg, befasst sich mit einigen Themen, die Asset Manager derzeit beschäftigen: OGAW, KIID, AIFMD, Kapitalmarktunion, RAIF, Pan-European Pension Product, ESG, Digitalisierung…

OGAW sind nach wie vor konkurrenzlos

Nur wenige Fondsstrukturen haben einen so guten Ruf wie OGAW (Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren). Dank diesem Produkt konnte Luxemburg seine Position als führendes Fondsdomizil in Europa ausbauen. Inzwischen werden OGAW überall auf der Welt von privaten und institutionellen Anlegern gekauft. Die Harmonisierung ebnete den Weg für die Verbreitung von OGAW in der EU. Zugleich konnten sie durch ihren hervorragenden Ruf für Transparenz und Anlegerschutz auch international Erfolgsgeschichte schreiben. So fanden sie treue Gefolgschaft im asiatisch-pazifischen Raum und in Lateinamerika. Daraus entwickelte sich eine über 10 Billionen Euro schwere Branche[1].

Im Gegensatz zu anderen Produkten, denen der Wettbewerbsdruck zu schaffen machte, konnten OGAW in den letzten 30 Jahren mühelos mit den Trends und Erwartungen der Märkte und Verbraucher Schritt halten. Auf die kontinuierlich steigende Anlegernachfrage nach einer breiteren Portfoliodiversifikation reagierten die Aufsichtsbehörden mit OGAW III, die die Erweiterung der für den Handel zulässigen Vermögenswerte vorsah und den Einsatz von Derivaten, Leverage und synthetischen Short-Positionen ermöglichte.

In der Zwischenzeit trugen die Nach-Krisen-Versionen der OGAW den Anlegersorgen über die Asset-Management-Branche durch die Einführung neuer Schutz- und Transparenzmaßnahmen Rechnung: Es gab neue Berichtspflichten in Form des KIID (Key Investor Information Document), und Fondshäuser hatten fortan die Pflicht zur Benennung einer Verwahrstelle, die verschuldensunabhängig für den Verlust von Vermögenswerten oder Finanzinstrumenten haften sollte. Somit wurden die Vorschriften mit der AIFMD (Alternative Investment Fund Managers Directive)-Richtlinie in Einklang gebracht.

Weiterhin die Nase vorn

OGAW sind jedoch nicht unanfechtbar; sie sind mit mehreren Herausforderungen konfrontiert, unter anderem mit konkurrierenden Pass-Systemen, die im asiatisch-pazifischen Raum entstehen, und der zunehmenden Konkurrenz durch günstige Indexfonds. Zudem stehen die Schöpfer der OGAW-Richtlinie (und der AIFMD-Richtlinie) in der Kritik, weil sie die Aufsichtsbehörden der Mitgliedstaaten trotz wiederholter Standardisierungsanstrengungen nicht daran hindern konnten, den Asset Managern zusätzliche Anforderungen und Kosten für die Zulassung aufzuerlegen.

Auf der ALFI Global Distribution Conference die vom 25. bis 26. September 2018 in Luxemburg stattfand, sagten Asset Manager, dass „Gold-Plating“ (die nationale Übererfüllung der EU-Vorgaben) in einzelnen Märkten ein Hemmnis für den grenzübergreifenden Vertrieb sei, da es höhere Kosten und mehr Arbeitsaufwand mit sich bringe. Dies bestätigen Daten, die zeigen, dass nur ein Drittel der OGAW für die Vermarktung in mehr als drei EU-Ländern registriert sind[2]. Aufsichtsbehörden haben diesen Beschwerden Gehör geschenkt und setzen sich im Rahmen der Kapitalmarktunion (Capital Markets Union - CMU) für sinnvolle Veränderungen ein. 

Durch einen Vorschlag der Europäischen Kommission im Rahmen der Kapitalmarktunion sollen die Vermarktungsanforderungen der Mitgliedstaaten angeglichen, eine einheitliche Berechnungsmethode für die Gebühren der zuständigen nationalen Behörden eingeführt und die Pflicht zur Benennung von lokalen Vertretern gestrichen werden[2]. Mit der Straffung des OGAW-Registrierungsverfahrens wollen die EU-Regulierungsbehörden Asset Managern den Rücken stärken, damit diese mehr Kapital vom finanzstarken Privatkundenmarkt in Europa einwerben können, denn die niedrigen Zinsen machen den Sparern hier zu schaffen.

Neue Produkte auf dem Vormarsch

Produktinnovationen in der EU beschränken sich aber nicht nur auf OGAW und AIFs. Die Einführung des RAIF (Reserved Alternative Investment Fund) in Luxemburg war ein voller Erfolg. Diesem Produkt wird bei Société Générale viel Aufmerksamkeit gewidmet. RAIFs sind eine Mischform aus SIFs und SICARs, werden aber als AIFs eingestuft und können somit fast jede Asset-Management-Strategie beherbergen[3]

RAIFs benötigen keine Zulassung von der Luxemburger Aufsichtsbehörde CSSF (Commission de Surveillance du Secteur Financier). Dieser Mangel an Aufsicht wird jedoch durch die indirekte Überwachung durch die AIFM, die Verwahrstelle und den Abschlussprüfer ausgeglichen, was für Kunden sehr bequem ist[4]. Die flexible Struktur hat das Wachstum von RAIFs begünstigt: Berechnungen von EY zufolge wurden seit 2016 200 RAIFs aufgelegt[5], und die ALFI schätzt, dass dieses neue Produkt etwa 5% aller regulierungskonformen AIFs ausmacht[6)

PEPP: Ein Produkt, das noch in den Kinderschuhen steckt

Eine weitere interessante Produktneuheit – die im Rahmen der Kapitalmarktunion angestoßen wurde – ist das vorgeschlagene PEPP (Pan-European Pension Product), eine Initiative zur Erweiterung des Marktes für private Altersvorsorge in der EU. Der Europäische Rat hatte zuvor festgestellt, dass nur 27% der Europäer zwischen 29 und 59 Jahren in ein Altersvorsorgeprodukt einzahlen[7]. Das PEPP-Programm wird den Wettbewerb zwischen den Vorsorgeanbietern fördern, um den Verbrauchern mehr Wahlmöglichkeiten zu eröffnen und die derzeit fragmentierte Regulierung in der privaten Altersvorsorge in der EU zu beseitigen[7]

Das Modell genießt starken Rückhalt in der Branche und bei den Verbrauchern. Sparer stehen der Idee aufgeschlossen gegenüber, dass sie PEPPs ins EU-Ausland mitnehmen können. Anbietern (Banken, Versicherer, Wertpapierfirmen, Asset Manager, betriebliche Rentenfonds) versprechen PEPPs Geschäftsvorteile, wenn sie stärker am Markt für private Altersvorsorge aktiv werden[8]. Angesichts der Tatsache, dass nur 11% der EU-Haushalte in Fonds investieren – im Gegensatz zu 43% in den USA[9] –  könnten PEPPs Verbraucher beim Sparen unterstützen, damit niedrig verzinste Spareinlagen nicht mehr die bevorzugte Wahl sind.

ESG becomes real

Anleger – vor allem Millennials – vertrauen ihr Geld immer häufiger Asset Managern mit bewährten Strategien und nachweislicher Erfahrung im Bereich ESG (Environmental, Social and corporate Governance) an. ESG spielt im Asset Management eine zentrale Rolle, und nachhaltiges Investieren ist bei Institutionen immer stärker in den Fokus gerückt, zuerst in den nordischen Ländern und später auch in Frankreich, Großbritannien, Japan und der Schweiz. Ein großer Teil des globalen Wohlstands wird sich in den nächsten Jahren hin zu Millennial-Investoren verlagern. Durch ESG-Strategien können Asset Manager diese Anleger für sich gewinnen.

Da Institutionen das ESG-Konzept unterschiedlich auslegen und anwenden, müssen Asset Manager möglichst passgenaue Lösungen anbieten, die auf die einzelnen Kunden zugeschnitten sind. ESG-Investing hat sich deutlich weiterentwickelt. Im Mittelpunkt steht nicht mehr nur der Ausschluss unethischer Unternehmen aus dem Portfolio, sondern inzwischen auch ein aktives Engagement, bei dem Asset Manager von ihren Stimmrechten Gebrauch machen, um inakzeptable Verhaltensweisen von Unternehmen zu unterbinden und Nachhaltigkeitsstandards zu fördern.

Auch die EU setzt mit ihrem Gesetzespaket zur Förderung eines nachhaltigen Finanzsystems wichtige Impulse im Bereich ESG bei Asset Managern. Angesichts des bekanntlich sehr unterschiedlichen Verständnisses des ESG-Konzepts will die EU-Kommission eine einheitliche Definition vorgeben. Die Erarbeitung einer festen ESG-Terminologie würde mehr Transparenz für Anleger schaffen und es zugleich den Managern ersparen, mehrere ESG-Fragebögen von Kunden aus verschiedenen Märkten mit unterschiedlichen Nachhaltigkeitskonzepten auszufüllen.

Asset-Servicing-Unternehmen können Asset Manager im Bereich ESG unterstützen. Depotbanken entwickeln beispielsweise zunehmend Dienstleistungen, die sicherstellen sollen, dass die bestehenden ESG-Strategien von Asset Managern den Bedingungen ihrer Anlagemandate gerecht werden. Auch Verwahrstellen und Treuhänder können Asset Managern zur Seite stehen – nämlich beim ESG-Reporting für Anleger, einer weiteren Anforderung, die in den Vorschlägen der EU-Kommission vorgesehen ist. Wenn Asset Manager sich das ESG-Konzept zu eigen machen, können sie ihre Marktanteile auf unterversorgte jüngere Anleger ausweiten, die nach Anlagemöglichkeiten Ausschau halten.

Den Vertrieb digitalisieren

Um jüngere und digitale Anleger zu gewinnen, sind zudem grundlegende Veränderungen in der Vertriebspraxis erforderlich. Der Vertrieb hat sich der Digitalisierung – bis vor Kurzem – noch weitgehend entzogen. Durch dieses Manko ist der Kauf und Verkauf von Fondsanteilen nach wie vor ein stark manueller Prozess. Demgegenüber werden disruptive Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) und die Blockchain immer häufiger im Kunden-Onboarding und bei KYC-/AML-Kontrollen eingesetzt. Sie bergen somit das Potenzial, den Vertrieb zu einem weitaus nahtloseren Prozess zu machen.

Hinzu kommt, dass die Branche sich ernsthaft mit Robo-Advisors oder automatisierten Investmentplattformen auseinandersetzt. Dank dieser Technologie können Anleger mit ihren Smart-Geräten Fonds für ihre Portfolios auswählen und dadurch Transaktionskosten sparen und die Vermittlung durch unabhängige Finanzberater und Vermögensberater effektiv umgehen. Robo-Advisory ist ein wachstumsstarker Markt und hat bereits Vermögen im Volumen von 200 Milliarden US-Dollar eingesammelt[10], vor allem weil der Fondskauf für technikaffine jüngere Anleger so viel bequemer ist.

Ungeachtet dessen war die Performance von Robo-Advisors bislang eher durchwachsen: Studien haben gezeigt, dass die Produkte es nicht geschafft haben, die Branchen-Benchmarks zu übertreffen[11]. Aus Sicht von ALFI-Experten sind jedoch mehr Daten nötig, um eine endgültige Schlussfolgerung über den tatsächlichen Nutzen von Robo-Advisors zu ziehen. Anderswo wird zudem damit gerechnet, dass Robo-Advisors künftig nicht mehr nur indexorientiert investieren, sondern auf ein aktiveres Management setzen werden. Dies wäre eine bedeutende Entwicklung und eine potenzielle Kampfansage an bestehende Fondsmanager. 

Asset Management im Jahr 2019

OGAW – und die Länder, in denen sie domiziliert sind, – erfreuen sich eines stetigen Wachstums, das durch kontinuierliche Produktinnovation und eine solide Regulierung begünstigt wird. So schätzt die ALFI, dass OGAW in den kommenden drei Jahrzehnten mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von 5% wachsen könnten. Das verwaltete Vermögen könnte sich somit bis 2048 auf 42 Billionen Euro vervierfachen[12]. Zugleich muss sich die Asset-Management-Branche in den nächsten zwölf Monaten mit zahlreichen Herausforderungen durch disruptive Technologien und den Brexit auseinandersetzen. Die Fondsbranche hat keine Wahl – sie muss reagieren und sich weiterentwickeln.

 

Artikel veröffentlicht in Deloitte Performance Magazine (25.01.2019)



[1] Efama (March 12, 2018)  2017 was an exceptional year for the European investment fund industry, with net assets of UCITS and AIF surpassing the EUR 15 trillion mark
[2] Maples and Calder (March 15, 2018) UCITS and AIFMD update: Cross-border fund distribution proposals
[3] ALFI – Luxembourg Reserved Alternative Investment Fund
[4] SGSS – The RAIF: What can we expect?
[5] EY (October 2017) RAIF: A success story
[6] ALFI/Deloitte (November 2017) Luxembourg Private Equity & Venture Capital Investment Fund Survey
[7] European Council (June 19, 2018) Pensions: Council agrees its stance on pan-European pension product
[8] Eurofi (September 2017) Regulatory update
[9] ESMA (November 16, 2016) How can we improve outcomes for investors in investment funds?
[10] Barrons (February 3, 2018) As robo-advisors cross $200 billion in assets, Schwab leads in performance
[11] Financial Times (August 24, 2018) Robo-advisors fail to beat market benchmark
[12] ALFI (September 25, 2018) UCITS assets could quadruple to EUR 42 trillion by 2048 according to ALFI’s 30th anniversary report

SGSS Country Head in Luxembourg Societe Generale Securities Services
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