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Wären vorschriften für nachhaltige und verantwortliche investments hilfreich oder hinderlich?

05/09/2019

Ziel der Europäischen Kommission (Kommission) ist es, das derzeitige Wachstum nachhaltiger Finanzierung zu steigern. Nachhaltige Finanzierung ist die Finanzierung von Investments, die spezifische ökologische, soziale und Unternehmensführungserwägungen (ESG) berücksichtigen.

SRI-Vorschriften, wo stehen wir bisher?

Im Jahr 2018 veröffentlichte die Kommission drei Gesetzesentwürfe, die auf die folgenden Maßnahmen abzielten:

  • Schaffung einer EU-Klassifikation für nachhaltige Finanzierung;
  • klarere Offenlegungen in Bezug auf nachhaltige Investments und Nachhaltigkeitsrisiken;
  • Festlegung von Benchmarks für CO2-Armut.

Vorschriften sind notwendig und willkommener als je zuvor.

Einerseits werden sie die Asset Manager zwingen, eine stärkere Verschiebung zu anderen Investments vorzunehmen, die ESG-Faktoren berücksichtigen, und sie zwingen, eine neue regulatorische Anlagepolitik einzuhalten. Andererseits wird die Regulierung Anlegern, die „grüne“ Investments immer mehr angemessen berücksichtigen, neue Geschäftschancen und -lösungen bieten. Doch die bisherigen Regulierungsvorschläge bewältigen nicht die größte, kritische und wichtigste Herausforderung: den Mangel an Daten für einen effizienten Umgang mit ESG-Faktoren. Mit anderen Worten: wie sichergestellt oder garantiert werden kann, dass ein Unternehmen oder Investment 100% ESG ist. So werden zum Beispiel für Investments in Schwellenländern ohne klare Datenbank Asset Manager und Vermögensdienstleister Besuche vor Ort durchführen und den Umgang ihres Due-Diligence-Prozesses ausweiten müssen. Auf der gegenüberliegenden Seite müssen die Daten für Investments an regulierten, anerkannten und offenen Finanzmärkten zuverlässige ESG-Kriterien beinhalten, die leicht vergleichbar sind.

Idealerweise sollte Europa seine eigene europäische Ratingagentur einrichten, die nachhaltigen und sozialen Investments gewidmet ist. Das würde einen Vergleich des Verhaltens eines Unternehmens mit seinen Mitbewerbern innerhalb des gleichen Finanzsektors ermöglichen. Die Geisteshaltung der Menschen/Anleger und Unternehmen wird sich weiterentwickeln. Daher ist mit einer Veränderung der Haltung und/oder der Art zu investieren zu rechnen. Aufklärung und die zunehmenden Kampagnen, die uns für ökologische Auswirkungen sensibilisieren, sind ebenfalls wichtige Motoren. Doch sogenannte „grüne“ Investments können heute noch teuer sein.

“Ich möchte grünen Strom, solange er günstiger ist.”

Über vorschriften hinaus

Eine weitere schwierigere Erwägung ist, dass E (für Environment - Umwelt) manchmal S (sozial) entgegengesetzt ist. „Bin ich ökologisch verantwortlich, wenn ich weiterhin ein großes 4X4-Auto fahre und/oder weiterhin rauche und Zigarettenstummel auf den Boden werfe?“ Regulierung reicht nicht aus, auch wenn sie notwendig ist, um Europa aus den traditionellen Grenzen von Investment und Verhaltenskodex herauszuführen. Ohne eine angemessene Erklärung, wie man mit richtigen Daten und geeigneten Indizes umgehen soll, wird es schwierig sein, ESG-Anlageportfolios effizient zu verwalten. Der Prozess der Steuerung von ESG-Faktoren und der Sicherstellung, dass Investments ESG-konform sind, wird weiterhin einer breiten Interpretation mit tiefen, mühsamen und manuellen Analysen unterliegen. Heute bedeutet das „neue“ Kosten, die unvorhersehbar sind und stark schwanken, ohne wirklich zu wissen, ob ein Unternehmen letztlich ESG-Anforderungen erfüllt.
Es ist auch wichtig, sich auf die Definition von ESG zu einigen.
Der bestehende ESG-Rahmen, der darin besteht, ökologische, soziale und Unternehmensführungsfaktoren zu berücksichtigen, ist mit Terminologien und verschiedenen Arten von Strategien überladen.Sobald wir eine klare und genaue Definition von ESG und seiner Methoden haben, werden wir in der Lage sein, uns auf das Ziel dieser Investments zu konzentrieren. Was möchten wir erreichen? Unsere europäischen Institutionen haben eine Reihe von Konsultationspapieren (KP) eingeführt, die ESG kurzfristig in jeder Kommissionsverordnung institutionalisieren sollen. Alle KPs zu nachhaltiger Finanzierung sollten dem Aktionsplan der Kommission im Bereich des Wertpapierhandels, der Investmentfonds und Ratingagenturen einiges an Ausgangsmaterial geben. Die ersten beiden KPs bitten um fachlichen Rat zur Integration von Nachhaltigkeitsfaktoren und -risiken in die Richtlinien AIFM und UCITS sowie MiFID II. Das dritte KP konzentriert sich mehr auf Richtlinien, die Ratingagenturen hinsichtlich der Qualität und Konsistenz von Informationen im Zusammenhang mit ESG-Faktoren umsetzen sollen. Jede dieser Konsultationen enthält zwischen 30 und 40 Seiten an Fragen. Die erhaltenen Antworten werden kommuniziert, analysiert und diskutiert werden, um den Aktionsplan der Kommission zu verbessern.

Die meisten von uns sind sich über die Notwendigkeit einig, diese ESG-Faktoren beim Investieren stark und ernsthaft zu berücksichtigen. Doch wenn man pragmatisch ist, wird es Zeit brauchen, um das Ziel der Kommission hinsichtlich nachhaltiger Finanzierung zu erreichen. Es gibt immer noch Lobbyarbeit von Unternehmen, Anlegern und Ländern, um den aktuellen Prozess zu verlangsamen oder zu blockieren, da sie Angst haben, Aufträge zu verlieren, und da er teuer ist. Klimaschutz ist eines dieser Beispiele. Und „last but not least“, wie man sagt, könnte es manchmal einen Gegensatz oder eine Inkompatibilität zwischen dem Faktor „E“ und dem Faktor „S“ geben. Während die Schließung eines Bereichs zum Schutz der Umwelt hervorragend sein mag, könnte sie für den sozialen Faktor aufgrund von Stellenverlusten als schlecht angesehen werden.

Wir müssen letztlich einen Weg finden, die beiden auszugleichen und sicherzustellen, dass der Faktor „E“ Wirtschaftswachstum und neue Stellen in Europa schafft, ohne das soziale Ökosystem zu gefährden.

Jean-Pierre Gomez
Head of Regulatory & Public Affairs - SGSS Luxembourg

Jean-Pierre hat 25 Jahre Erfahrung in der Investmentfondsbranche. Bevor er 2009 zu SGSS kam, hatte er verschiedene A 1  leitende Funktionen in gemeinsamen Anlagen in Wertpapieren, Verwahrung und Fondsverwaltung inne, arbeitete drei Jahre lang als Berater und war Vorstand zahlreicher Fondsmanagementgesellschaften und Fonds. Er referiert regelmäßig bei internationalen Seminaren und Konferenzen und war an MiFID-II-Workshops beteiligt, die von Markus FERBAR 2015 und 2016 im Europäischen Parlament organisiert wurden.


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