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Willkommen in der Welt der Token

19/04/2019

Vor drei Jahren veröffentlichte SGSS sein erstes Blockchain-Magazin. Das war ein paar Monate, nachdem ein Bericht für Aufsehen gesorgt hatte: es ging um die Veränderungen, die die Blockchain-Technologie den Finanzmärkten bringen würde, indem sie den Abstimmungsbedarf reduziert und der Finanzbranche jährlich Milliardenersparnisse* einbringt.

Damals folgerte SGSS, daß die mit dem Bitcoin eingeführte Distributed-Ledger-Technologie für eine öffentliche, dezentralisierte, nicht regulierte Währung geeignet sein könnte, es jedoch noch mehrere Entwicklungen erfordern würde, ehe sie für die Finanzmärkte geeignet ist. Erstens war da das Problem der Skalierbarkeit, um hohe Volumen verarbeiten zu können, zweitens das Problem der Vertraulichkeit, um die Transaktionen privat zu halten, und drittens das Problem der Regulierung und Governance, um das gleiche Schutzniveau zu bieten wie die aktuellen Märkte.

SO VIELE ICOS, SO WENIG WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNG

In den letzten drei Jahren wurden Tausende von Kryptowährungen eingeführt, häufig über ein Initial Coin Offering (ICO).

Von Andy Warhol stammt das Zitat: „In Zukunft wird jeder fünfzehn Minuten lang weltberühmt sein“2 ;

heute ist es möglich, innerhalb von fünfzehn Minuten eine Kryptowährung aufzulegen – und möglicherweise berühmt zu werden. Doch bei den Regulierungsbehörden haben Fragestellungen rund um Kryptowährungen wenig Interesse geweckt, da diese im Vergleich zur Weltwirtschaft größenmäßig unbedeutend sind. Der globale Wert von Kryptowährungen beträgt etwa hundert Milliarden Euro3. Allein beim Euro ist der Wert der in Umlauf befindlichen Bargeldmittel4 zehn Mal5, die gesamte Eurogeldmenge etwa hundert Mal so groß, sodaß Kryptowährungen aktuell kein systemisches Risiko darstellen.

VOM COIN ZUM TOKEN

Die Pioniere der Kryptowährungen haben versucht, die Technologie zu verbessern, um die drei angesprochenen Probleme zu überwinden. Auf dem Gebiet der Finanzdienstleistungen wurde der Anwendungsbereich der meisten Initiativen auf verschiedenste Weise auf eine private, zugelassene und teilweise rezentralisierte Technologie reduziert, um die digitale Darstellung von Vermögenswerten voranzutreiben. Die Finanzaufsichtsbehörden geben sich pragmatisch und lassen Emissionen einzeln oder in einem eingeschränkten Rahmen zu.

Das Interesse hat sich mittlerweile vom Coin (Münze) zum Token verschoben. Von einer anfänglich komplexen Taxonomie von Token haben sich nur drei durchgesetzt: Währungen6, Utilities7 und Wertpapiere8. Bei Wertpapieren haben Security-Token einen klaren Emittenten, was beim Bitcoin nicht der Fall ist. Daher möchten die Aufsichtsbehörden, daß diese Emittenten die bestehenden Vorschriften für ihre Basiswerte auf Token anwenden. In Europa wird deutlich zwischen Wertpapieren und Finanzinstrumenten unterschieden, da sie verschiedenen rechtlichen Rahmen unterliegen.

Das Stichwort lautet Security Token Offering (STO). Es gibt Lösungen, um ein Register von Inhabern von Anleihen, Aktien oder Fonds zu erstellen und zu pflegen. Die nächste Herausforderung wird darin bestehen, Firmenereignisse verwalten und effiziente Sekundärmärkte organisieren zu können.

IN DIE WELT DER TOKEN

Nach Ansicht der Betreiber verbessert sich durch die digitale Darstellung von Vermögenswerten deren Umlauf. Dank dieser vielbeschworenen höheren Umlaufgeschwindigkeit lassen sich Vermögenswerte nahezu sofort auszutauschen. Um ein Beispiel aus dem Immobiliensektor heranzuziehen: der Kauf einer Immobilie zieht sich über Wochen hin. Der Erwerb von Token hingegen, die Anteile an einem Unternehmen darstellen, dem eine Immobilie gehört, würde nur Minuten dauern. Außerdem könnte es, wenn der Token richtig konzipiert ist, nur wenig Zeit in Anspruch nehmen, diese Immobilie mit einer anderen zu bündeln oder sie umgekehrt in Teile zu zerlegen – in bloßes Eigentum und Nießbrauch aufzuteilen oder in Bruchteile zu stückeln. Mit anderen Worten: Verbriefung und Stripping leicht gemacht.

Bei diesen Transaktionen könnten der Handel, die Abwicklung und die anschließende Verwahrung mit der Darstellung des Vermögenswertes gleichzeitig stattfinden. Diese unmittelbare Verarbeitung würde den Einsatz einer Standardkontoeinheit erfordern, die mit einer der wichtigsten bestehenden Währungen verknüpft ist, und das ist der Grund, warum es solchen Enthusiasmus für stabile Coins9 und so viel Wirbel um deren Verwendung an Börsen oder für Register gibt.

ZURÜCK IN DIE REALITÄT

Emittenten und Anleger müssen die Anforderungen aller anwendbaren Gesetze, Vorschriften und Steuersysteme kennen und anwenden. Das umfasst die Identifizierung der Gegenparteien (KYC), das Überprüfen der Herkunft der Gelder (AML – Bekämpfung von Geldwäsche), das Melden von Schwellenwertüberschreitungen, das Überprüfen von Beschränkungen für ausländisches Eigentum sowie das Melden von Kapitalerträgen oder sogar die Einbehaltung von Quellensteuer. Das gilt auch für Wertpapier-Token.

Angesichts der Vielzahl von Initiativen werden diese digitalen Märkte noch jahrelang fragmentiert bleiben, ehe ein Verbindungsglied gebaut wird oder eine einzelne Plattform die Führung übernimmt. In der Zwischenzeit scheint es notwendig, sich auf vertrauenswürdige Vermittler zu stützen, die für alle diese Ketten eine einheitliche Schnittstelle bieten, Barmittel zwecks Einbindung in und Entnahme aus diesen Ketten konvertieren und die Zugriffsschlüssel oder sogar die Token selbst verwahren.

Diese Welt der Digitalisierung kann man sich sehr leicht vorstellen. Die Realität der von den Token dargestellten Vermögenswerte und möglicherweise deren Zustand zu garantieren oder die Regeln zu verstehen oder die Angemessenheit einer Vereinbarung über gemeinsame Eigentumsrechte zu beurteilen – das alles wären zusätzliche Dienstleistungen, die von Gegenparteien verlangt würden.

EIN SCHRITT NACH DEM ANDEREN

Genau wie künstliche Intelligenz hat Blockchain eine klare Auswirkung auf die Finanzbranche.
Zu einem besseren Verständnis dieser Veränderungen beizutragen, indem Ansichten zum Fortschritt dieser Technologie, zu ihrer möglichen Auswirkung auf die Welt der Anlageverwaltung und zum Umgang der Regulierungsbehörden mit diesen neuen Themen vorgestellt werden.

MAN SAGT IMMER, DAß DIE ZEITEN DIE DINGE ÄNDERN, ABER IN WIRKLICHKEIT MUSS MAN SIE SELBST ÄNDERN - Andy Warhol

 

(*) „Profiles in Innovation: Blockchain“ von Goldman Sachs im Mai 2016, p. 5.
(2) „How to create your OWN cryptocurrency in 15 minutes“ (So kreieren Sie in 15 Minuten Ihre EIGENE Kryptowährung)
(3) 120 Milliarden Euro Marktkapitalisierung in Bezug auf alle Kryptowährungen am 14. März 2019.
(4) In diesem Zusammenhang bezeichnet Bargeld Scheine und Münzen.
(5) Scheine und Münzen machen 1.034 Mrd. € aus, und in Umlauf sind insgesamt 11.618 Mrd. €.

(6) Ein Token, der als Speicherwert und als Tauschmittel dient, das nicht von einer Zentralbank ausgegeben wurde.
(7) Ein Token, der zwecks Finanzierung eines Projekts mit einem Netzwerk oder einem Emittenten verbunden ist und später Anspruch auf Waren oder Dienstleistungen gibt.
(8) Ein Token, der sich wie ein Wertpapier verhält, wobei die Inhaber als Eigentümer angesehen werden.
(9) Bitte lesen Sie den Artikel: „Stabiler Coin: der nächste große Schritt“.

Head of Strategic Marketing Societe Generale Securities Services
Laurent Viellard Head of Client Strategic Marketing SGSS
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