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Ist „Nach Bestem Vermögen“ Die Nächste Grenze Der Esg-Analyse?

23/07/2019

In den letzten Jahren haben wir von den Stakeholdern einen zunehmenden Druck zur ESG-Integration erfahren; und während die Gründe dahinter verschieden sein können (d.h. Treuhandpflicht, Regulierung, Abstimmung von Werten...), erkennen die meisten von ihnen an, dass finanzielle Performance/Alpha-Generierung Teil der Gleichung bleiben sollte.

Das war der Beginn des Wettrennens zur Quantifizierung dieser neuen Wertschöpfungsquelle. Jetzt, wo nachgewiesen wurde, dass ESG-Integration positives Alpha mit sich bringt, besteht das nächste Ziel darin, dieses Signal zu optimieren...

Von der Theorie. Als unser SRI-Research-Team im Jahr 2012 mit seiner ESG-Integrationsanalyse begann, fanden wir bei den Anlegern wenig Enthusiasmus (d.h. welchen „finanziellen“ Mehrwert konnte es abgesehen von einer ethischen, Marketing-technischen oder philosophischen Positionierung her geben?). Damals ging es darum, den Anlegern Warnhinweise zu Unternehmen zu geben, die bei der ESG-Performance schlecht abschnitten, und sie hinsichtlich des Investierens in gut abschneidende Unternehmen zu beruhigen. Unsere Theorie war, dass Unternehmen mit einer starken ESG-Politik und guten Strukturen mit geringerer Wahrscheinlichkeit zu unangenehmen Überraschungen führen würden. Solche Unternehmen sollten die Anleger zuversichtlicher machen und daher langfristig bevorzugt werden.

... zur Praxis. Traditionell verwenden Anleger Ratings für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung „defensiv“, um das Portfoliorisiko zu mindern, doch das ESG-Musterportfolio, das wir seit fünf Jahren führen, hat den Stoxx600-Index beständig übertroffen. Also kann ESG offensichtlich nicht nur zu defensiven Zwecken, sondern auch zur positiven Alpha-Generierung eingesetzt werden. In diesem Artikel gehen wir einen Schritt weiter, um zu sehen, ob Unternehmen, die ihre ESG-Ratings verbessern, noch weitere Outperformance erzielen könnten.

Funktioniert es? Ja, wie nachstehend gezeigt: die 30% Unternehmen mit dem besten ESG-Rating hätten den STOXX600 in unserem Referenzzeitraum um mehr als 9% übertroffen. Doch wenn die Anleger die Unternehmen mit einer positiven ESG-Dynamik gekauft hätten, das heißt diejenigen, die das ESG-Rating im Jahresvergleich um mehr als 10% verbessert haben, hätten sie den STOXX600 um 23,5% übertroffen.

Wie haben wir das gemacht? Um Aktien aufgrund unserer Methodik „SRI: Beyond Integration“ und von Veröffentlichungen zu bewerten, verwenden wir eine Mischung aus qualitativen, quantitativen und engagementbasierten Ansätzen. Zunächst identifizieren wir wesentliche ESG-Themen für jede Branche und gewichten die Schlüsselindikatoren nach ihrer Wesentlichkeit, dann lassen wir unser Quant-Tool durchlaufen, das uns eine ESG-Bewertung liefert, die dann mit den finanziellen Empfehlungen unserer Analysten kombiniert werden kann. Diese Quant-Bewertung wird dann durch qualitativeren Input ergänzt. In diesem Artikel konzentrieren wir uns nur auf den quantitativen Aspekt – die Bewertung jedes Unternehmens nach ökologischen, sozialen und Governance-Indikatoren, um sein ESG-Gesamt-Rating zu berechnen.

Im Detail konzentrieren wir uns für jede Branche auf 15-20 wesentliche Indikatoren entsprechend relevanter Themen. Wir versuchen, einen generalistischen Ansatz zu vermeiden, der alle universell verfügbaren

Indikatoren berücksichtigen könnte, da es wichtig ist, ihre Relevanz in der Branche zu verstehen. Heutzutage gibt es bei ESG-Rating-/Datenanbietern Hunderte von Indikatoren zum Analysieren des ESG-Ratings von Unternehmen. Doch wir finden es besser, uns auf eine kleine Anzahl relevanter Indikatoren für jede Branche zu konzentrieren, um nicht aus dem Blick zu verlieren, was aus finanzieller Hinsicht wirklich zählt.

Branchenbeispiel: Zur Veranschaulichung haben wir die ESG-Rating-Bewertung der Branche Luft- und Raumfahrt und Verteidigung aufgeschlüsselt. In dieser Branche wählen wir die 17 wesentlichsten Indikatoren aufgrund vier relevanter ESG-Themen qualitativ aus und analysieren diese entsprechend und gewichten jeden Indikator aufgrund seiner Wesentlichkeit mit zwischen 1 und 3. Wir bewerten jede KPI von 0 bis 100 und weisen dann aufgrund der jedem Indikator zugewiesenen Gewichtung jedem Unternehmen ein allgemeines ESG-Rating zwischen 0 und 100 zu.

 

ESG-Rating-Bewertung: Luft- und Raumfahrt und Verteidigung

UNTERNEHMENSFÜHRUNGGESCHÄFTSETHIKKLIMAWANDELPERSONALMANAGEMENT
Offenlegung der Vorstandsvergütung (1)Bestechungs- und Korruptionspolitik (1)Programme zur Treibhausgasverringerung (3)LTIR-Trend (2)
Unabhängigkeit des Vorstands (2)Bestechungs- und Korruptionsprogramme (3)Programme für erneuerbare Energien (1)Mitarbeitervorfälle (3)
Trennung von Vorstandsvorsitzenden- und CEO-Rolle (1)Whistleblower-Programme (2)Verwendung erneuerbarer Energien (2)Umfang sozialer Standards für Lieferanten (2)
ESG-Governance (2)Geschäftsethikvorfälle (3)Einnahmen aus sauberer Technologie (3)Kundenvorfälle (3)
 „Umstrittene“ Waffen (3)  

Quelle: SG Cross Asset Research/ESG, Sustanalytics, Companies, Media - 05.03.2019. Hinweis: Zahlen in Klammern sind Gewichtungen der KPIs im ESG-Rating

„Klassenbester“ oder „nach bestem Vermögen“: Im Detail... Wir stellten fest, dass die Aktien mit positiver Dynamik unter den führenden 30% des ESG-Rating-Universums zwischen März 2013 und Januar 2019 eine kumulierte Outperformance von +23,5% gegenüber STOXX600 generierten. Das ist deutlich mehr als die Performance der 30% der Aktien mit der besten ESG-Bewertung aus jeder Branche (+9,4% gegenüber STOXX600) oder derjenigen, die das Kriterium der positiven Dynamik nicht erfüllen (+6,1% gegenüber STOXX600).

  • Fluktuation: Die Fluktuation der führenden 30% der Aktien beträgt für den Zeitraum 2013-18 durchschnittlich 33%. Auch läge die Fluktuation der Aktien mit steigenden ESG-Ratings innerhalb der führenden 30% nahe an 100%, da diese Liste sich aus Unternehmen zusammensetzt, die ihr ESG-Rating im Jahresvergleich verbessern. Aus diesem Grund hat ein Unternehmen, das in einem Jahr aufgrund einer 10%igen positiven Veränderung seines ESG-Ratings auf der Liste erscheint, eine geringere Chance, im Folgejahr erneut mit einer weiteren Veränderung um +10% zu erscheinen.
  • Branchen- und Länderaufschlüsselung: Ein tiefes Eintauchen in jede Branche oder jedes Land ist recht schwer, da die Anzahl der Unternehmen mit einer positiven ESG-Rating-Dynamik gering ist.
  • Börsenkapitalisierung: Beim Analysieren der Unternehmen mit einer positiven Dynamik aufgrund der Börsenkapitalisierung gab es keine aufschlussreichen Ergebnisse.

Yannick OUAKNINE 
Head of Sustainability Research - SGCIB

Yannick Ouaknine kam im März 2007 zu SGCIB. Er kennt die Anlegerbedürfnisse beim Nachhaltigkeits-Research gut, da er mehr als 16 Jahre in dem Bereich gearbeitet hat, mit globaler Abdeckung und Verantwortung (einschließlich der Ausübung von Stimmrechten). Bevor er bei SGCIB arbeitete, war Yannick Ouaknine Product Manager / RFP Analyst bei BNP Paribas Asset Management (2000-20002) und Senior ESG Analyst bei BNP Paribas Investment Partners (2003-2007) in Frankreich. Er hat einen Abschluss von der École Supérieure de Gestion de Paris (ESG) und von der INSEAD.

 

 

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