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Die Neuerfindung der Vertraulichen intermediation: Secretarium

04/06/2019

Institutionen wie Kryptobörsen können aus mehreren rein technischen Gründen, nämlich Datenschutz, Performance und Determinismus, nicht auf einer Blockchain laufen. Doch was wäre, wenn eine kryptographische Plattform Automatisierung ermöglichen könnte, ohne überhaupt Daten zu teilen? Genau diesen Mehrwert bietet die automatisierte vertrauliche Intermediation, angeboten von Secretarium.

Der Wilde Token-Westen

Das Kryptotoken-Fieber hat die Finanzwelt überrascht. Blockchain-Experten versprachen Unparteilichkeit mit wenigen oder keinen Vermittlern, kostenlose Verwahrung sowie das Ende von Handelsschranken, Währungskontrolle und Steuern.

Zweifellos sind Verwahrung und Vermögensübertragungen in der Kryptowelt günstig, doch ein paar Jahre später sieht die Zukunft etwas weniger rosig aus als versprochen. Mangelnde Regulierung hat fragwürdigen Token zur Blüte verholfen. Noch immer gehen Kryptobörsen wie QuadrigaCX pleite1 und reißen dabei das Vermögen ihrer Kunden mit. Der Umtausch in und aus Fiatwährungen birgt weiterhin ein Geldwäscherisiko.

Die Welt der Kryptotoken ist weitestgehend eine unregulierte, unbarmherzige Welt. Und ja, man muss seine Steuern zahlen.

Token-Gateways sind zentralisiert

Ein entscheidender Punkt ist, dass die zentrale Institution der Token nicht die Blockchain an sich ist, sondern die Kryptowährung. Kryptobörsen ermöglichen den Direkthandel Buyside-Buyside, was sie für die Fondsverwaltung so attraktiv macht. Dabei handelt es sich um stark zentralisierte Institutionen, die jedoch unreguliert sind, wenn sie nicht in Fiatwährungen handeln. Sie sind unvermeidbar, da die Interessen aller Parteien einer Instanz anvertraut werden müssen, die sie zusammenzubringt. Funktionierende Kryptobörsen erfordern die Verwahrung der Vermögenswerte, was zu einem Verwahrungsrisiko für diese unregulierten Institutionen führt. Asymmetrischer Zugriff auf die Informationen ermöglicht Client-Front-Running oder der Weitergabe von Handelsinformationen an ausgewählte Parteien. Vorschriften zur Durchsetzung der Unparteilichkeit dieser neuen Vermittler sind jetzt überfällig

Parteilichkeit von Kryptowährungen 

Doch sicherlich – würde man denken – könnte man die technische Unparteilichkeit der Blockchain an sich nutzen, um wahrhaft unparteiische Börsen zu schaffen. Kann man aber nicht. Institutionen wie Kryptobörsen können aus mehreren rein technischen Gründen, nämlich Datenschutz, Performance und Determinismus, nicht auf einer Blockchain laufen.

Sehen wir uns einmal den Datenschutz an: Öffentliche Blockchains bieten keine Anonymität; sondern bestenfalls Pseudonymität.

Und wo würden Informationen wie Ihr Name, Ihre Anschrift, E-Mail-Adresse und Bankkontodaten gespeichert? Was Ihre Daten betrifft, so sind diese, nachdem sie einmal in eine öffentliche Blockchain hochgeladen wurden, dort für immer für jeden sichtbar – so viel zur DSGVO-Konformität!

Teilen ohne zu teilen

Doch was wäre, wenn eine kryptographische Plattform Automatisierung ermöglichen könnte, ohne überhaupt Daten zu teilen? Was wäre, wenn sie die gleichen Dienstleistungen erbringen könnte wie eine unparteiische Anwaltskanzlei, aber geschützt in einem Schweizer Banksafe und ohne das Risiko von Datenlecks? Genau diesen Mehrwert bietet die automatisierte vertrauliche Intermediation.

Mit einer solchen Plattform wird der Aufbau einer unparteiischen und privatsphäreschützenden Kryptobörse möglich. In der Tat lassen sich viele aktuelle Disintermediationsprobleme direkt lösen, wodurch es überflüssig wird, überhaupt in die Tokenwelt zu springen.

Anwendungen im Asset-management

  • Eine brokerfreie anonyme Buyside-Buyside-Interessenabgleichsplattform mit kontrollierter Informationsweitergabe und Anreizen für die Parteien, zu einer Einigung zu gelangen

  • Eine Plattform zur Untermauerung von Ansichten zum Wert illiquider Vermögenswerte, die den anonymen Meinungsaustausch anregt und Indexbenchmarks für diese Vermögenswerte schafft

  • Ein Pool von Kundendaten für die Messung der Eigentumskonzentration, die Durchsetzung von Embargos, die Verhinderung von missbräuchlichen Verkäufen, die Erstellung von Marketing-Statistiken... bei gleichzeitiger Durchsetzung der DSGVO und Nichtoffenlegung von Kundendaten

  • Eine Sekundärmarkteinrichtung direkt in Fiatwährung, die die Übertragung von Anteilen an Private Equity, Wagniskapital, Fondsanteilen etc. automatisiert und dabei nachweislich die Besteuerung durchsetzt und Aufzeichnungen über Eigentum führt.

Vertrauliche intermediation in der Realität

Diese technische Leistung lässt sich durch eine Kombination drei zentraler Technologien erreichen:

  • Wiederverwendung von Blockchainkonzepten, um die Integrität eines Bestandsbuchs zu wahren und ihren Teilnehmern Kontrolle zurückzugeben

  • Sicheres Multi-Party Computing, ein kryptographisches Protokoll, das verwendet wird, um gemeinsam Erkenntnisse zu Daten zu bieten, ohne diese Daten offenzulegen

  • Sichere Hardware wie Intel SGX, die in ein sicheres Peer-to-Peer-Netzwerk integriert ist.

Letztere Technologie ist entscheidend, um sicheres Multi-Party Computing in größerem Ausmaß zu bieten und Nichtdeterminismus zu ermöglichen, ohne die Unparteilichkeit zu beeinträchtigen. Außerdem ist die Secretarium-Plattform so gestaltet, dass sie die Endgültigkeit der Ausführung innerhalb eines Sekundenbruchteils garantiert, und lässt sich mit Banking-Systemen, Mobiltelefonen und Internetbrowsern, wie es sie heute gibt, integrieren.

Die Blockchain-Sackgasse: wie geht es weiter?

Als Leiter eines Blockchain-Labors war ich Zeuge, wie zahlreiche Projekte an der Mauer von Datenschutz, Determinismus oder Performance zerschellt sind. Produkte wie Corda oder Quorum bieten interessante Kompromisse, die sie geeignet machen, um Post-Trade-Automatisierungsprobleme zu lösen, wenn eine kontrollierte Übermittlung von Informationen mit ausgewählten Parteien zulässig ist. Doch sie könnten nicht so gut geeignet sein, wenn es darum geht, die Probleme in puncto Performance und absolutem Datenschutz zu lösen, insbesondere in der Pre-Trade-Welt.

Wenn es um die Automatisierung von B2B-geschäftsprozessen geht, werden viele dieser Blockchain-Versprechen gehalten ... Doch nur bei vertraulicher intermediation. Blockchain alleine schafft das nicht

Zurück zum Blockchain- und Token-Hype: Wir sind jetzt über den Gipfel übertriebener Erwartungen hinaus und beschreiten das Tal der Desillusionierung. Das heißt nicht, dass all seine Versprechen zunichtewerden. Nach der LTCM-Krise von 19982 und der Schwellenländerkrise schwor sich jeder, von Derivaten oder Anlageklassen aus Schwellenländern künftig die Finger zu lassen. Doch das gelang niemandem. In ähnlicher Weise gab es eine Dotcom-Blase, die schließlich platzte, doch jetzt blüht die Dotcom-Branche3

“Die einzigenGgeheimnisse sind die Geheimnisse, die sich selbst behalten” - George Bernard Shaw

CEDRIC WAHL

Nach seinem MEng-Abschluss in angewandter Mathematik an der Mines ParisTech (einer französischen Grande Ecole) arbeitete er 20 Jahre lang als Softwareentwickler und IT-Projektmanager, einschließlich 14 Jahren bei der Société Générale in der Risikosteuerung für strukturierte festverzinslichen Derivate. Er ist der Gründer des Blockchain-Labors von Société Générale im Vereinigten Königreich und zusammen mit Bertrand Foing Gründer von Secretarium Ltd, einem technischen Start-up für Confidential Computing, das von Société Générale im Vereinigten Königreich unterstützt wird.

 

(1) www.cbc.ca/news/, 2019 April 8
(2) Long Term Capital Management

(3) news.bbc.co.uk/2/hi/business/8558257.stm

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