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Wertpapierdienstleister: Wer rastet, der rostet

25/07/2019

Custody-Markt stark standardisiert und zunehmend gesättigt sei, was die gesamte Branche anfällig für disruptive Veränderungen und mögliche Konsolidierungen mache. Trotz des harten Gebührenwettbewerbs zwischen den Verwahrern werden sich nach Angaben von le Treut letztlich wahrscheinlich die Anbieter mit der besten technologischen Infrastruktur und den aktuellsten Daten behaupten können.

Gildas le Treut, Global Head of Coverage bei Société Générale Securities Services (SGSS), erklärte beim Network Forum (TNF), das am 12. Juni in Athen stattfand, dass der Custody-Markt stark standardisiert und zunehmend gesättigt sei, was die gesamte Branche anfällig für disruptive Veränderungen und mögliche Konsolidierungen mache. Trotz des harten Gebührenwettbewerbs zwischen den Verwahrern werden sich nach Angaben von le Treut letztlich wahrscheinlich die Anbieter mit der besten technologischen Infrastruktur und den aktuellsten Daten behaupten können.

Die geeignete Innovationskultur

Innovationsprogramme bei Banken stoßen auf eine Reihe von Hindernissen, nicht zuletzt die Einhaltung gesetzlicher Auflagen, komplexe Genehmigungs- und Beschaffungsprozesse und die anhaltende Abhängigkeit von veralteten Technologien. Anbieter wie SGSS setzen sich jedoch für ein innovationsförderndes Umfeld ein. Während die unternehmenskulturellen Werte und die allgemeine Geschäftsstrategie bei SGSS von der Führungsetage vorgegeben und direkt in allen anderen Ebenen umgesetzt werden, wird Innovation im gesamten Unternehmen gefördert und setzt bereits an den unteren Ebenen an.

Die Vorteile des FinTech-Marktes nutzen

In der Vergangenheit wurden Technologie-Upgrades oder Initiativen zu grundlegenden Systemumstellungen bei Banken innerhalb geschlossener, firmeneigener Netzwerke durchgeführt. Das wird sich künftig ändern, denn Open-Source-Software wird zunehmend allgegenwärtig und Banken arbeiten immer häufiger mit FinTechs zusammen, um ihren Kunden neue Produkte anzubieten.

"Um sich künftig einen Wettbewerbsvorteil zu sichern, sollten Banken unbedingt mit FinTechs zusammenarbeiten. Bei SGSS setzen wir auf unsere Inkubationsplattform Le Plateau. Sie unterstützt sowohl interne als auch externe Innovationsprogramme. Zurzeit gibt es 60 Start-ups auf Le Plateau und weitere 20 wurden in das Unternehmen integriert. Damit erzielen wir spürbare Fortschritte". So hat Société Générale gemeinsam mit dem Start-up Société Générale FORGE kürzlich über die Ethereum-Blockchain tokenisierte Pfandbriefe im Volumen von 100 Mio. EUR emittiert. Auf diesem Wege konnte die Effizienz des Ausgabeprozesses deutlich gesteigert werden, insbesondere durch höhere Transparenz, schnellere Übertragbarkeit, zügigere Abwicklung und weniger Intermediäre1.  

Daten sinnvoll nutzen

Da Post-Trade-Dienstleister wachsende Mengen an Daten sammeln, identifizieren sie auch immer innovativere Möglichkeiten zur Nutzung derselben. Mittels Künstlicher Intelligenz (KI, d. h. maschinelles Lernen, natürliche Sprachverarbeitung, Computer Vision) und Robotergesteuerter Prozessautomatisierung (RPA) untersuchen Banken Daten, analysieren sie und identifizieren anomale Trends und Muster in bestimmten Bereichen, zum Beispiel bei operationellen Risiken (wie etwa Insiderhandel, Geldwäsche). Andernorts nutzen einige Verwahrdienstleister KI/RPA zur Unterstützung für das Kunden- oder das aufsichtsrechtliche Reporting.

Zwar haben Daten für Banken in vielerlei Hinsicht einen positiven Nutzen, aber es gibt auch Risiken. KI/RPA funktioniert nur einwandfrei, wenn die verwendeten Daten zuverlässig sind. Bei fehlerhaften Daten können diese Technologien ihre Aufgaben nicht korrekt erfüllen. Wenn RPA-Software beispielsweise unvollständige Informationen verarbeitet, sind auch die Ergebnisse unvollständig. Gleichermaßen können fehlerhafte Daten eine KI-Lösung, die Analysen durchführt, völlig durcheinanderbringen, sodass sie Trends identifiziert, die entweder falsch oder unregelmäßig sind. Kurz gesagt: Schlechte Daten führen zu schlechten Ergebnissen. Außerdem muss die Datenverarbeitung so erfolgen, dass Vorschriften wie die Datenschutz-Grundverordnung und das Bankgeheimnis eingehalten  werden.

"Unsere Data Lakes, in denen viele Kundendaten gespeichert sind, sind umfassend geschützt. Wir haben Informationsbarrieren eingerichtet, um zu verhindern, dass Unbefugte Zugang zu den Daten haben".

Wert schaffen

Durch effektive Zusammenarbeit mit Kunden bei der Entwicklung neuer und dynamischer Lösungen können Verwahrer ihr Angebot an Zusatzleistungen ausbauen. Praktische Umsetzungen dieses Konzepts dürften in der gesamten Branche immer häufiger auftauchen. Da Post-Trade-Dienstleister immer mehr Fortschritte in der digitalen Transformation machen, müssen die Interessen der Kunden weiterhin im Vordergrund bleiben. Innovation muss also einen Zweck haben (dem Kunden einen Mehrwert bieten), damit disruptive Technologien tatsächlich echte Probleme lösen.

SGSS hat unter Einhaltung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen sogenannte Application Programming Interfaces („APIs“, Programmierschnittstellen) eingerichtet, um Daten über Fondsanleger von Fondsvertriebsgesellschaften und Transferstellen zu sammeln und Asset-Management-Kunden so einen besseren Einblick in das Verhalten ihrer Kunden zu ermöglichen. „Durch die Integration der Informationen in einen Data Lake können wir über APIs eine zusammenfassende Übersicht der Anlegerdaten an Fondsmanagerkunden übermitteln. Dies kann zum einen für die Zielmarktvorschriften nach MiFID II hilfreich sein. Zum anderen können sie so das Kundenverhalten besser verstehen und diese Informationen als Vorteil gegenüber Mitbewerbern nutzen.“

Da man sich in der Bankenbranche bewusst ist, dass das alte Modell in der heutigen Zeit nicht mehr funktioniert und dass Finanzintermediäre bedroht sind, an Bedeutung zu verlieren, stellt man die Arbeitsweise um. Man schafft intern eine Innovationskultur, arbeitet auf externer Ebene mit FinTechs zusammen, um den Kunden eine breitere Produktpalette anzubieten und stellt fähige neue Mitarbeiter mit Affinität zur Digitalisierung ein.

"Verwahrer werden sich künftig hauptsächlich durch ihre Technologie und ihre Daten von anderen Anbietern abheben können. Andere Faktoren werden kaum eine Rolle spielen".



1 Société Générale (23. April 2019): „Societe Generale issued the first covered bond as a security token on a public blockchain“

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