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Vertrieb von Investmentfonds in Europa: Vor 2020 keine Veränderungen in Sicht

22/11/2018

Der Vertrieb von Investmentfonds in Europa wird künftig maßgeblich durch zwei Faktoren beeinflusst: Neue Akteure, die auf moderne Technologien wie die Blockchain setzen, drängen in den Markt, und neue EU-Vorschriften sollen die unterschiedlichen Rechtsvorschriften vereinheitlichen, allerdings voraussichtlich frühestens in zwei Jahren.

Tiefgreifende Veränderungen sind im Gange

Die Asset-Management-Branche befindet sich mitten in einer beispiellosen Umbruchphase. Im Zinsumfeld tut sich nichts, der Druck auf die Gebühren und damit auf die Kosten wird immer höher und das regulatorische Umfeld verändert sich mit einer gleichbleibend hohen Dynamik. All dies schafft Rahmenbedingungen, die eine Verschiebung der Gleichgewichte der Wertschöpfungskette im Asset-Management und insbesondere im Fondsvertrieb fördern.

Neue Technologien: Die Wertschöpfungskette im Fondsvertrieb überdenken

In der Studie, die SGSS im ersten Quartal 2018 durchgeführt hat, äußerten 37 % der befragten Asset-Management-Kunden deutlich den Wunsch nach einer besseren Kenntnis ihrer Endkunden. Aber wie lässt sich dieses Ziel erreichen? Mit neuen Technologien, insbesondere der Blockchain ...

Two initiatives

Daher wurden in den letzten zwei Jahren zwei Initiativen ins Leben gerufen, die auf der Blockchain-Technologie beruhen und eine bessere Kenntnis der Endanleger ermöglichen sollen.

Vereinfacht gesagt, sollen im Zuge dieser Initiativen Plattformen aufgebaut werden, durch die die Anleger einfach und schnell Zugang zu Fondsanteilen erhalten: von der Kontaktaufnahme mit den Anlegern über die Erteilung von Zeichnungs- und Rücknahmeaufträgen bis hin zur Abwicklung der Transaktionen und der Übertragung der Positionen. Ziel dieser Plattformen ist es insbesondere, die Transaktionskosten zu senken und die Transparenz zu erhöhen, vor allem für die Asset-Manager, die somit mehr Informationen über die Identität der Inhaber ihrer Fondsanteile erhalten. Im derzeitigen System werden die Zeichnungs- und Rücknahmeaufträge bei ihrer Erteilung von der Zentralisierungsstelle (in Frankreich) oder von der Transferstelle (in Luxemburg) zusammengefasst.

äußerten 37 % der befragten Asset-Management-Kunden deutlich den Wunsch nach einer besseren Kenntnis ihrer Endkunden.

Gleiches Ziel, unterschiedliche Umsetzung

Diese zwei Plattformen verfolgen im Grunde das gleiche Ziel, aber ihr Umsetzungsprozess unterscheidet sich geringfügig. So erfolgt die Bezahlung der Fondsanteile bei Iznes nicht über die Blockchain, sondern über das herkömmliche Banksystem. Anschließend realisiert Iznes das rechtliche Eigentum an den Wertpapieren (die SDG, die diesen Dienst für einige ihrer Fonds in Anspruch nehmen, haben ihre Fondsprospekte geändert und IZNES als Registerführer angegeben). 

FundsDLT will dagegen ein Tool entwickeln, mit dem sich der Vertrieb beschleunigen lässt, einerseits durch eine effizientere Gestaltung dieses Prozesses und andererseits durch eine konsequente Reduzierung der administrativen Vorgänge im Zusammenhang mit dem Fondsvertrieb, insbesondere KYC.

Dank neuer Technologien lässt sich somit sicher die Wertschöpfungskette im Vertrieb vereinfachen – dies ist nur noch eine Frage der Zeit ...

Die anderen Akteure, die sich mit dem Fondsvertrieb in Europa befassen, sind die Regulierungsbehörden, die ebenfalls einen Prozess verschlanken wollen, der bis jetzt noch nicht besonders einheitlich ist ...

Regulierungsbehörden wollen den Fondsvertrieb in Europa vereinfachen

Derzeit werden 70 % des gesamten verwalteten Vermögens von Investmentfonds gehalten, die nur für den Vertrieb auf den inländischen Märkten registriert sind. Nur 37 % der OGAW und 3 % der alternativen Investmentfonds (AIF) sind für den Vertrieb in mehr als drei Mitgliedstaaten zugelassen.

Vor diesem Hintergrund und im Rahmen der Kapitalmarktunion (Capital Markets Union, CMU) hat die Europäische Kommission am 12. März 2018 eine Regulierungsinitiative auf den Weg gebracht, um dieser Situation Abhilfe zu schaffen.

Diese Initiative setzt sich aus einem Verordnungs- und einem Richtlinienentwurf zusammen.

Diese Textentwürfe beinhalten eine Reihe von Änderungen der Vorschriften für Investmentfonds, deren Ziel es ist, die von der Kommission als „Hindernisse für den grenzüberschreitenden Vertrieb“ bezeichneten Barrieren zu beseitigen, und zwar auf mehreren Ebenen zugleich:

  • Von den nationalen Regulierungsbehörden erhobene behördliche Gebühren: Pflicht zur Bekanntgabe der Methodik zur Berechnung dieser Gebühren für jede nationale Behörde und Mitteilung an die ESMA, die diese Informationen ebenfalls auf ihrer Seite veröffentlicht
  • Schaffung eines harmonisierten Pre-Marketing-Konzepts, mit dem ein Fondsmanager vor der Produktvermarktung die Nachfrage der Anleger nach einem Produkt testen kann
  • Harmonisierung des Verfahrens und der Anforderungen für Werbematerial durch die auf nationaler Ebene zuständigen Behörden
  • Harmonisierung der Verfahren zur Mitteilung und Rücknahme eines Fonds vom nationalen Fondsmarkt
  • Lockerung der Bedingungen, nach denen die physische Präsenz für einen Fondsverwalter in einem anderen Land vorgeschrieben ist: Die Kommission schlägt vor, dass der Kontakt mit dem Anleger in der heutigen digitalen Welt auf elektronischem Wege erfolgen kann, anstatt über einen lokalen Vertreter.

Diese Vorschläge lassen sich in zwei Grundsätze zusammenfassen: die Harmonisierung der national unterschiedlichen Rechtsvorschriften und die Verringerung der Kosten, die den Fonds entstehen.

Wie sieht der vorläufige Zeitplan aus?

Der Erfolg der Initiativen mit Blockchain-Grundlage hängt davon ab, inwiefern die Projektinitiatoren die Anleger davon überzeugen können, die Plattform zu nutzen und ihre Zeichnungs- und Rücknahmeaufträge über die Plattform, anstatt über traditionelle Bankinstitute, zu erteilen. Zurzeit lässt sich noch nicht vorhersagen, wie lange das dauern wird ...

Was die Veränderung des Regulierungsumfelds betrifft, so ist noch mehr Klarheit über den Zeitplan der Umsetzung dieser Erwägungen wünschenswert. Nachdem der Europäische Rat und das Europäische Parlament diese Vorschläge geprüft haben, wird es eine Trialogphase (zwischen der Kommission, dem Rat und dem Parlament) geben, dessen Ergebnis eine Endfassung sein wird. Anschließend treten die Vorschriften 24 Monate nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union in Kraft.

Zum jetzigen Zeitpunkt besteht also kaum Zweifel daran, dass sich im Fondsvertrieb in Europa in den kommenden Jahren einiges ändern wird.

Laurent Viellard Head of Client Strategic Marketing SGSS
Marie Claire de Saint Exupéry Senio Advisor Public Affairs SGSS
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