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Private Equity und verantwortliches Investieren

18/07/2018

Alle Private-Equity-Akteure zeigen zunehmendes Interesse an Themen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Environment, Social, Governance). Ist das nur eine kurzfristige Attitüde oder sind siewirklich davon überzeugt?

Zögerlich oder engagiert

 

Eine vor kurzem durchgeführte Studie von SGSS1 zeigte erhebliche Unterschiede im Engagement, welches Private-Equity-Unternehmen bei der Integration von ESG-Aspekten und Maßnahmen zur Begrenzung der Erderwärmung in ihren Anlagestrategien an den Tag legen.

Ungeachtet dessen besteht ein grundlegender Trend: Die Kategorie der „zögerlichen“ oder sogar „opportunistischen“ Akteure ist tendenziell auf dem Rückzug und macht Platz für wirklich „engagierte“ Akteure.

In einem ersten Schritt beginnen Vermögensverwaltungsunternehmen häufig damit, dass sie einige Anlagesektoren grundsätzlich ausschließen (typischerweise Waffen, Tabak, Alkohol, Glücksspiele, Pornografie, gentechnisch veränderte Organismen, Klonen von Menschen). Durch diese Ausschlüsse waren einige Unternehmen bereits gezwungen, auf Akquisitionen zu verzichten, die sich für andere Unternehmen als attraktiv und lukrativ erwiesen.

 

Erhöhtes Engagement

 

Im nächsten Schritt werden nichtfinanzielle Kriterien im Investmentmanagement herangezogen. ESG-Kriterien fließen immer mehr in den Lebenszyklus eines Investments ein, angefangen von der Analyse vor dem Investment bis hin zum Verkauf. Diese von den Verwaltungsgesellschaften festgelegten Kriterien werden nun häufig durch Kriterien ergänzt, die die Anleger bestimmen. Nach Abschluss der Akquisition werden die Zielsetzungen vom Verwaltungsrat der Portfoliounternehmen, der jährliche Berichte erstellt, sorgfältig überwacht. Parallel konsolidieren die Verwaltungsgesellschaften diese Informationen allgemein in einem jährlichen Bericht für die Anleger. Aber selbst wenn Investoren mit großem Vermögen ESG-Kriterien eindeutig in den Auswahlprozess ihrer Verwaltungsgesellschaft integriert haben, enthalten ihre Berichte kaum mehr als elementare Informationen.

Einige Unternehmen schulen ihre Teams zudem zu den ESG & Klimakriterien nach Investitionssektor, um ein besseres Verständnis für die Probleme der Zielunternehmen zu erhalten.

 

Überzeugt oder opportunistisch?

 

Verwaltungsgesellschaften, die bei ESG-Themen nur „engagiert“ sind, haben schon richtig erkannt, dass institutionelle Anlegern dies oft als diskriminierendes Entscheidungskriterium bei ihrer Auswahl einer Vermögensverwaltungsgesellschaft herangezogen haben. Sie dürften daher mehr und mehr von der Notwendigkeit überzeugt sein, sich dem Thema ESG ernsthaft zuzuwenden.

Über den Druck von Seiten der Kapitalanleger hinaus werden Vermögensverwalter außerdem zunehmend von den Regulierungsbehörden unter Druck gesetzt. Frankreich zählte mit Artikel 173 des Energiewendegesetzes hierbei zu den Pionieren. Doch auch die Europäische Kommission beginnt durch die „Hochrangige Expertengruppe“2 nun mit einer Regulierung dieses Themas.

Also Opportunismus oder Überzeugung? Alle Akteure haben verstanden, dass ein Vorstoß in die ESG-Logik zu ihrem Besten war. Selbst wenn ein Reporting über die beste Wertsteigerung aller unter ESG-Kriterien getätigten Investitionen, diese Strategie rechtfertigt: der wachsende Druck der öffentlichen Meinung und der Regulierungsbehörden muss bei der Entscheidung für eine Umstellung auf ein Management unter ESG-Kriterien ebenfalls berücksichtigt werden. Private-Equity-Managementgesellschaften, die sich ihrer Verantwortung als langfristige Investoren bewusst sind, scheinen sich inzwischen zu überzeugten Akteuren zu entwickeln.

 


[1] „Taking the Long View“ ist eine 2018 von SGSS veröffentlichte Studie, bei der 100 Führungskräfte von Managementunternehmen und institutionellen Anlegern in acht europäischen Ländern befragt wurden.
[2] Von der Europäischen Kommission im Dezember 2016 eingesetzte Gruppe aus 20 Experten, die aus der Zivilgesellschaft, dem Finanzsektor und der Lehre stammen. Sie soll Empfehlungen für die Umsetzung einer umfassenden nachhaltigen Finanzstrategie in der Europäischen Union abgeben.
 

Laurent Viellard Head of Client Strategic Marketing SGSS
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