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Überblick und Aussichten für Private Equity in Europa

25/01/2019

Mit Private Equity konnten Anleger in Europa in den letzten Jahren dank des günstigen Umfelds, das historisch niedrige Zinssätze, im Überfluss verfügbares Kapital und Wirtschaftsaufschwung kombinierte, regelmäßig eine hohe Performance erzielen und gleichzeitig für Wachstum, Transformation und neue Arbeitsplätze in den KMUs und mittelständischen Betrieben sorgen, denen das Beteiligungskapital zugutekam.

Eine anerkannte Anlageklasse

Mit Private Equity konnten Anleger in Europa in den letzten Jahren dank des günstigen Umfelds, das historisch niedrige Zinssätze, im Überfluss verfügbares Kapital und Wirtschaftsaufschwung kombinierte, regelmäßig eine hohe Performance erzielen und gleichzeitig für Wachstum, Transformation und neue Arbeitsplätze in den KMUs und mittelständischen Betrieben sorgen, denen das Beteiligungskapital zugutekam. Diese vorteilhaften Bedingungen und das Inkrafttreten der AIFM-Richtlinie* im Jahr 2014 mit der Einführung des EU-Vertriebspasses verwandelten das Private-Equity-Segment, das bis dahin größtenteils Eingeweihten vor Ort vorbehalten war, in einen internationalen institutionalisierten Markt

* Richtlinie 2011/61/EU über die Verwalter alternativer Investmentfonds

Beschafftes Kapital steigt

Die Statistik, die Invest Europe 2018 veröffentlichte, bestätigt diesen Trend. Die Studie beruht auf der Konsolidierung der Indikatoren des Jahres 2017 und der Befragung von 1250 Verwaltungsgesellschaften in Europa, die 90% des bei der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde gemeldeten Kundenvermögens (640 Mrd. Euro) managen.

Der Umfrage zufolge wurden 91 Mrd. Euro beschafft, das höchste Niveau seit dem Allzeitrekord von 112 Mrd. Euro im Jahr 2006. Auch die meisten Indikatoren sind sehr positiv ausgerichtet: Investitionen von 72 Mrd. Euro und Exits in Höhe von 44 Mrd. Euro. Die Manager optimieren die Einzahlungen über innovative Finanzierungstechniken und können so auch die noch nicht angelegten Gelder immer effizienter verwalten. Doch beeinflusst das relativ hohe Niveau dieses sogenannten „Dry Powder“ den Kaufpreis. Die Anlagen verteuern sich deutlich, weil die verfügbaren Beteiligungen immer knapper werden.

Diversifizierte, internationale institutionelle Anleger

Die hohe Nachfrage nach Private Equity in Europa ist einem diversifizierten Anlegerstamm aus internationalen institutionellen Investoren zuzuschreiben. Die nichteuropäischen Anleger stammen zu einem Drittel aus Nordamerika und zu einem Viertel aus Asien. Ihre Allokation in alternative Anlagen scheint exponentiell zu wachsen. Die Verfasser der Studie „Alternatives in 2023“, die Preqin im Oktober 2018 durchführte, prognostizieren infolge des Eintritts von Investoren aus Schwellenländern sogar ein Gleichgewicht der Anleger im Jahr 2023.

Auch ist der Anlegerstamm stark diversifiziert: 30% Pensionsfonds, 20% Dachfonds, 15% Family Offices und Privatanleger. Auf Banken und Versicherer entfallen weitere 15%. Im Rahmen öffentlich-privater Partnerschaften gewinnen zudem öffentliche Akteure mit derzeit 6% allmählich mehr Einfluss.

Trotz ungewissen Wirtschaftsumfelds stabile Renditen erwartet

Die Finanzmärkte, insbesondere das passive Management, verzeichneten im letzten Quartal 2018 eine sehr hohe Volatilität. Die Prognosen für 2019 sind ebenfalls nicht sehr optimistisch. Private Equity gehört zu den aktiven Managementpraktiken, in denen die Anleger ihr langfristiges Engagement erhöhen wollen, obwohl sie in ihren Prognosen die durchschnittliche Rendite um ca. 0,5% auf 6,7% senken.

Was passiert nach dem Brexit?

Asset Manager befürchten, nach dem Brexit ihre Fonds nicht mehr in Großbritannien vertreiben zu dürfen, doch die BVCA* meint, der Brexit-Effekt sei zu relativieren. Dem Verband zufolge würden mehrere Szenarien geprüft. Ein teilweiser Brexit sei wahrscheinlicher als ein harter Brexit. Die BCG* ist wiederum der Ansicht, dass sich am britischen Markt wahrscheinlich neue Anlagechancen ergeben, vor allem über Lösungen wie etwa Joint Ventures und Spin-offs. Attraktive Zielunternehmen seien vor allem im Vertrieb industrieller Güter, der Luftfahrt und dem Gesundheitswesen zu finden  

* British Private Equity & Venture Capital Association (BVCA)
* Boston Consulting Group (BCG)

Immer teurere Zielunternehmen…

Die bereits erwähnten Faktoren führten zu einem heftigen Wettbewerb. In Europa sind nicht börsennotierte Beteiligungen heiß umkämpft, wodurch die Bewertungskennzahlen bis auf das 9,5-fache des EBITDA klettern können. Differenziert wird im Wesentlichen nach der Auswahl- und Branchenexpertise der Fonds und deren Fähigkeit, sich den überbewerteten Kaufpreisen anzupassen. Dabei ist der Eigenkapitalansatz entscheidend.

… insbesondere im Wagniskapital

Auf Wagniskapital entfallen 13% der beschafften Mittel*. In diesem Bereich ist es besonders wichtig, die LPs* umfassend aufzuklären und das Kapital nicht zu jedem Preis anzulegen, um die Allokationsvorgaben umzusetzen, sondern wirklich in die Wirtschaft zu investieren. Der EIF* veröffentlichte aussagekräftige Indikatoren in Bezug auf den durchschnittlichen Wert dieses Segments: Eine Beteiligung von 1% am Kapital einer Gesellschaft (in einer Gruppe von 4000 Unternehmen) war 1997 rund 50 000 Euro wert. 2007 waren es 80 000 Euro und 2017 knapp 100 000 Euro. 

* Invest in Europe Q4 2017
* Limited Partners (LPs), d. h. Private-Equity-Anleger
* Europäischer Investitionsfonds (EIF)

Dynamische fremdfinanzierte Übernahmen

2018 bestätigte sich in Europa ein weiterer Markttrend im Segment des Übernahmekapitals. Die Anzahl der LBOs* zur Refinanzierung stieg angesichts der sich abzeichnenden Leitzinserhöhung. Auch wurden immer mehr Fonds, die in der EU ansässig sind, zusammengelegt. Außerdem findet das sogenannte Crowdlending* in diesem Bereich immer größeren Anklang, da es die klassischen LBOs ergänzt.

* Leveraged Buy Out (LBO) oder fremdfinanzierte Übernahme 
* “Crowdlending” ist eine Beteiligungsfinanzierung, in deren Rahmen viele Anleger an der wirtschaftlichen und finanziellen Umsetzung eines Projekts teilnehmen

Bestätigung der Infrastrukturfonds

Auch das Ökosystem der Infrastrukturfonds wächst in Europa. Ihm kommt die große Anzahl von Projekten zugute, die als öffentlich-private Partnerschaften entwickelt werden. Ferner sind immer mehr Bauherren bereit, europäischen alternativen Fonds Beteiligungen zu verkaufen, um die eigene Bilanz zu sanieren.

Private Debt behauptet sich

2017 wurden mit innovativen, flexiblen Angeboten rund 30 Mrd. Euro Kapital beschafft. Mit diesem Ergebnis behauptet sich das Segment Private Debt am Markt für Finanzierungen. Private Debt ermöglicht eine interessante Diversifizierung der traditionellen Anleiheallokationen oder der schrumpfenden herkömmlichen Bankkredite

Fazit: 2019 dürfte sich diese Branche konsolidieren. Crowdlending- und Direct-Lending-Projekte werden wohl an Fahrt gewinnen und Krypto-Assets mit Securities Token Offerings* immer mehr Anklang finden. Entwicklungskapital, mit dem Anleger den gleichen Erfolg wie Wagniskapitalgeber und deren Start-ups erzielen wollen, gewinnt an Bedeutung. Anlagefonds investieren zunehmend in junge Unternehmen in der Reifephase, um das Wachstum zu beschleunigen. Schließlich dürfte Kapital in Schwellenländer und in Anlagen fließen, die den ESG-Kriterien* entsprechen und von den LPs aufmerksam beobachtet werden.

* Securities Token Offering (STO): Wertpapieremission auf der Grundlage der Distributed-Ledger-Technologie
* Umwelt, Soziales, Governance (ESG)

Die Teams bei SGSS, die sich mit europäischen alternativen Anlagen befassen, unterstützen ihre Kunden mit ihrer Expertise und ihrem Know-how. Sie arbeiten eng mit den übrigen Teams der Société Générale Gruppe zusammen, die auf Finanzierung oder Beratung spezialisiert sind, um ihnen globale Lösungen anzubieten und die vielen Herausforderungen der Private Equity-Branche möglichst effizient zu meistern.

Johann Champain Deputy Director of Alternative Investment Funds SGSS
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