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Wie können wir uns auf das Verschwinden von Interbankenzinsen wie LIBOR, EURIBOR und EONIA vorbereiten?

22/01/2019

Erfahren Sie in unserem Video (bitte scrollen) mit Laurent Viellard, Head of Client Strategic Marketing, warum Interbankenzinsen wie LIBOR, EURIBOR und EONIA abgeschafft werden, zu welchem Termin, durch was sie ersetzt werden, und wie Sie sich darauf vorbereiten können. Das Transkript finden Sie untenstehend.

Laurent, kannst du uns erklären, warum die Interbankenzinsen wie der LIBOR, der EURIBOR und der EONIA abgeschafft werden sollen?

Aus zwei Gründen: Erstens, weil anlässlich der Finanzkrise 2008 die kurzfristigen Zinssätze, d.h. EURIBOR, LIBOR, EONIA, die auf den Erklärungen einer Reihe europäischer und Londoner Banken beruhen, manipuliert wurden. Zweitens sind diese Zinssätze eigentlich wenig aussagekräftig, weil sie die Institute im Interbankenhandel kaum benutzen.

Deshalb wurden diese Zinssätze als Benchmark in Frage gestellt. Die Aufsichtsbehörden beschlossen, diese Zinsen allmählich aufzugeben. Sie wollen keine gemeldeten Zinssätze mehr, sondern beobachtete Zinssätze. Auf europäischer Ebene stieß die Europäische Kommission eine Verordnung über Indizes an. Die Benchmark-Verordnung befasst sich auch mit den Zinssatzproblemen. 

Sehr gut. Wodurch sollen sie ersetzt werden?

Die einzelnen Zentralbanken haben bereits überlegt, wie sie die Zinssätze LIBOR, EURIBOR und EONIA ersetzen können. Auf europäischer Ebene wird der EONIA durch den ESTER ersetzt. Bei Zinssätzen, die auf dem LIBOR beruhen, wird pro Währung ein Zinssatz eingeführt:

  • der SOFAR für den Dollar,
  • der TONIA für den Yen,
  • der SARON für den Schweizer Franken
  • der SONIA für das britische Pfund.

Im Gegensatz zu den gemeldeten Zinssätzen werden diese Zinssätze jeweils im Nachhinein ermittelt. Als Basis dient ein Panel, eine größere Anzahl von Transaktionen, die die tatsächliche Situationbesser widerspiegeln und eventuelle Manipulationen verhindern.

Welche Auswirkungen hat die Abschaffung dieser Zinssätze auf das Asset Management?

Es gibt verschiedene Auswirkungen. Zuerst rechtliche und geschäftliche, denn jeder Vertrag bezieht sich oder kann sich auf diese Zinssätze beziehen, die abgeschafft werden. Aber wenn es sie nicht mehr gibt, müssen neue ausgehandelt werden, eventuell mit den Kunden, um den gewählten Zinssatz zu bestimmen.

Auf operativer Ebene gibt es ebenfalls Folgen. Die Informationssysteme umfassen Datenbanken, die nur eine einzige Benchmark berücksichtigen. Wenn man mehrere Referenzzinsen hinzufügt, müssen die Datenbanken neu gestaltet werden. Schließlich gibt es noch die Performance-Unterschiede, die Differenz zwischen den bestehenden Zinssätzen und den neuen Zinssätzen. Sie schaffen Unterschiede bei der Bewertung der Portfolios.

Wie bereitet man sich auf die kommenden Änderungen vor?

Wichtig ist vor allem, gut vorbereitet zu sein. In der letzten Frage  haben wir gesehen, welche Änderungen es gibt und welche Auswirkungen sie haben. Um die erste Auswirkung auf operativer Ebene zu mindern, sind alle Informationssysteme, die sich auf diese Zinssätze beziehen, zu erfassen.

So kann man die Anpassungen beginnen und sich darauf vorbereiten. Das gilt auch auf rechtlicher Ebene. Es gibt eine Reihe von Verträgen, die sich auf diese Zinssätze beziehen. Die Erfassung aller dieser Verträge ermöglicht es, zu bestimmen, welche Arbeiten erforderlich sind.

Was die Bewertungsunterschiede auf der Ebene der Performance-Differenzen betrifft, so können wir bereits Simulationen durchführen,um die Folgen für die Bewertung zu messen, auch in den Portfolios.

Laurent, kannst du uns auch noch sagen, wann diese Änderungen eingeführt werden?

Laut EU-Benchmark-Verordnung werden die europäischen Zinssätze wie etwa der EONIA am 1. Januar 2020 abgeschafft. Die europäischen Instanzen erwägen heute jedoch, die Abschaffung des EONIA und des EURIBOR um zwei Jahre hinauszuschieben. Sollte sich dieser Aufschub bestätigen, wird der EONIA gleichzeitig mit dem LIBOR abgeschafft. Das heißt am 1. Januar 2022.

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