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Banken und die technologische Herausforderung

19/11/2018

Agilität und Innovation sind daher heute die notwendigen Voraussetzungen, um Trends zu entschlüsseln und sich neu erfinden zu können. Banken werden mehr und mehr mit Technologieunternehmen verglichen.

„Der beste Weg, die Zukunft vorherzusagen, ist, sie selbst zu gestalten.“

Dieses Zitat von Peter Drucker, dem berühmten Professor für Unternehmensführung an der Universität New York, ist im Finanzsektor angesichts der neuen Technologien heute aktueller als je zuvor.

Den meisten Finanzinstitutionen ist bewusst, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf ihre Dienstleistungen hat. Der unglückliche Fall Kodak dient inzwischen als Gegenbeispiel für zahlreiche Unternehmen und ermutigt sie, sich mit allen Kräften frühzeitig auf den Wandel einzustellen. Agilität und Innovation sind daher heute die notwendigen Voraussetzungen, um Trends zu entschlüsseln und sich neu erfinden zu können. Banken werden mehr und mehr mit Technologieunternehmen verglichen.

Um welche Technologien geht es hierbei? Und wie werden sie sich auf die Finanzwelt auswirken?

In den verschiedenen Studien über die Auswirkungen von Technologien im Bankensystem werden Blockchain, künstliche Intelligenz und Open Banking einstimmig als die disruptivsten Entwicklungen genannt. Verschiedene Banken haben diese Technologien bereits mit Hilfe von Experimenten getestet (Machbarkeitsnachweis). Die Herausforderung liegt hierbei in einer großtechnischen Umsetzung für die Aufnahme des Produktivbetriebs und einer Kundenerfahrung ohnegleichen.

Um die großen Veränderungen, die aktuell im Gange sind, besser zu verstehen, hat Société Générale Securities Services bei 100 ihrer größten Kunden in Europa (Asset Manager, alternative Asset Manager und Institutionelle Investoren) eine prospektive Befragung durchgeführt mit dem Titel: „Taking the Long View”.

Hiernach stehen 39 % der befragten Asset Manager vor der Herausforderung, Daten besser zu nutzen. Banken sitzen auf regelrechten Goldminen, deren Schätze optimal gehoben werden müssen.

Google, Apple, Facebook und Amazon (GAFA) besitzen beispielsweise mehr als 95 %[1] der Daten weltweit und haben heute entsprechendes Know-how, vor allem aber die Fähigkeit zur Monetisierung der  Daten.  Bei AWS, dem Datenzentrum von Amazon, ist z.B. der Umsatz im letzten Quartal 2017 um 45 % gestiegen[2].

Auch Blockchain hat Potenzial. Diese Technologie, die als größte Erfindung nach dem Internet angesehen wird, ist vielversprechend, insbesondere was operative Effizienz und Kundenwissen angeht. Die Fähigkeit zur Zusammenarbeit zwischen den Akteuren hat maßgebliche Bedeutung, wenn diese Technologie voll und ganz ausgeschöpft werden soll. Operative Effizienz ist der Umfrage „Taking the Long View“ zufolge nach wie vor der oberste Ansatzhebel.

Aufgrund ihrer dezentralen und „offenen“ Eigenschaften müssen wir bei diesen neuen Technologien unsere Arbeitsweise komplett überdenken, damit wir uns für diese neue Welt öffnen. Das Ökosystem und die Fähigkeit, neue Geschäftsmodelle zu generieren, sind hierbei die Schlüsselelemente, um Unternehmen zu transformieren. Diese Transformation wird stärker durch die Zusammenarbeit mit Konkurrenten und neuen Akteuren erfolgen.

Heute kann ein einzelnes Unternehmen, was Technologien betrifft, auf dem neuesten Stand sein, doch es verschafft sich hierdurch nicht unbedingt einen Wettbewerbsvorteil.

Wie aber wollen Banken in diesem Umfeld ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten?

Seit einigen Jahren ist  Banken bewusst, welche Vorteile es bringt, in dieser neuen Welt zu interagieren und vor allem mit „FinTech“-Start-ups zusammenzuarbeiten. Während diese Start-ups anfänglich noch als potenzielle Bedrohung für das etablierte Bankenmodell angesehen wurden, werden sie heute mit offenen Armen empfangen. Die Summen für die Finanzierung von Start-ups sind ein ausgezeichneter Indikator für den Hype um dieses Thema. Eine Studie der KPMG[3] zeigt insbesondere, dass in Frankreich im ersten Halbjahr 2018 genauso viel Geld aufgebracht wurde wie in den Jahren 2015 und 2016 zusammen. Ein mehr oder weniger gleicher Trend ist übrigens in den großen globalen Zentren wie London oder Berlin zu beobachten.

Dieses „Co-Creation“-Konzept, also die Kooperation zwischen Start-ups und Großbanken, bietet in einer Welt, in der sich die Konsumgewohnheiten verändern, die Möglichkeit, die Kundenerfahrung völlig zu überdenken. Vor diesem Hintergrund hat Société Générale Luxembourg beschlossen, ihre digitale Transformation durch die Eröffnung eines Innovations-Labs fortzusetzen, in dem sowohl externe als auch interne FinTech-Start-ups willkommen sein werden. Diese Zusammenarbeit wird wesentliche Bedeutung für das Verständnis und die Entwicklung zukünftiger Geschäftsbereiche und Gepflogenheiten im digitalen Bereich haben. Gleichzeitig ist natürlich nicht zu vergessen, dass die Sicherheit der Daten gewährleistet werden und deren Nutzung durch Kunden effizient und sicher erfolgen muss.

Allein geht es schneller, doch zusammen kommt man weiter! 



[1] https://www.lemonde.fr/economie/article/2017/05/28/des-donnees-personnelles-tres-convoitees_5135092_3234.html
[2] https://www.zdnet.com/article/all-of-amazons-2017-operating-income-comes-from-aws/
[3] Pulse of Fintech France KPMG, 24 July 2018

Artikel in der Ausgabe veröffentlicht September-Oktober 2018 von PAPERJAM (Luxemburg)

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