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Die Asset-Management-Branche im Wandel

08/11/2018

Als führender europäischer Akteur in der Fondsadministration wird Société Générale Securities Services (SGSS) von der Förderung und Entwicklung des Asset-Management-Sektors maßgeblich beeinflusst.

Das Marktecho

Als führender europäischer Akteur in der Fondsadministration wird Société Générale Securities Services (SGSS) von der Förderung und Entwicklung des Asset-Management-Sektors maßgeblich beeinflusst. In diesem Zusammenhang befragte1 SGSS rund 100 Führungskräfte aus acht europäischen Ländern, um das Ausmaß der derzeitigen Veränderungen besser zu verstehen und ihren Kunden und Prospects einen Überblick über die künftigen Herausforderungen zu bieten. Außerdem wollte die Bank den Befragten die Möglichkeit geben, ihre Strategien vorzustellen, mit denen sie sich an den Wandel anpassen und Chancen bestmöglich nutzen wollen.

Vier Themen wurden angesprochen: globales Umfeld, Kunden und Strategien, operative Strategien und neue Technologien. Die Gruppe setzte sich zu 65 % aus traditionellen Asset Managern, zu 18 % aus alternativen Asset Managern und zu 17 % aus Institutionelle Investoren zusammen.

Globales umfeld

Die Buy-Side steht vor Veränderungen, die sich in den kommenden Jahren erheblich auf ihr Geschäftsmodell auswirken werden. Den Befragten zufolge gehören die Anpassung an die aufsichtsrechtlichen Anforderungen, die niedrigen Zinsen und der Gebührendruck zu den wichtigsten Faktoren.

Der regulatorische Aspekt ist für 82 % der Befragten besonders schwer einschätzbar, insbesondere wegen der damit verbundenen Kosten. Asset Manager bekommen dies besonders zu spüren, vor allem sehr kleine Marktteilnehmer, die mit dem von den Regulierungsbehörden vorgegebenen Tempo nicht so gut Schritt halten können. MiFID II und PRIIP2 sind mit 63 % bzw. 40 % die Verordnungen, die am häufigsten genannt wurden.

Die niedrigen Zinssätze führen nach Ansicht von 85 % der Befragten zu einem Mangel an Transparenz und zu Rentabilitätsproblemen. Für Institutionelle Investoren steht dieses Problem sogar an erster Stelle. Ein Drittel der Private-Equity- und Real-Estate-Manager (PERE) sorgt sich um das beträchtliche Volumen des investierten Kapitals. Da die hohe Liquidität eine Folge der Niedrigzinsen ist, befürchten einige Akteure einen „Blaseneffekt“.

Auf den Gebührendruck kamen 35 % der Befragten zu sprechen. So erwähnten beispielsweise mehr als die Hälfte der befragten Asset Manager die Auswirkungen des Wettbewerbs auf die Gebühren. Dabei geht es einerseits um den Wettbewerb mit passiven Anlagen und andererseits um die von den größten Marktteilnehmern gewährten Gebührennachlässe zum Ausbau der Marktanteile und den Druck, den institutionelle Anleger auf die Provisionen ausüben. Aus diesem Grund haben sich einige Akteure für eine ergebnisorientierte Provisionsstruktur entschieden.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass sich die meisten Befragten offenbar keine Sorgen über den Brexit machen. Die größten Marktteilnehmer nehmen bereits die notwendigen Anpassungen vor. Unabhängig von ihrer Größe sind sich jedoch alle darüber einig, dass der Brexit auch eine Chance sein kann. Manager alternativer Investmentfonds glauben, London sei weiterhin der Ort, an dem man Investoren für LBOs und Large Caps antrifft. Allerdings rechnen sie in Kontinentaleuropa auch mit höheren Kapitalzuflüssen, die den Wettbewerb bei den Preisen der Zielanlagen verschärfen dürften.

 

Strategy und kunden

Da sich die Asset Manager der oben genannten Herausforderungen bewusst sind, richten sie ihre Geschäftsstrategien neu aus. Im Mittelpunkt der geplanten Neuausrichtung stehen Diversifikations- und Kooperationsstrategien, das Privatkundengeschäft, die Kundenkenntnis sowie der Bereich Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Environment, Social and Governance, ESG).

37 % der Asset Manager erwähnten das Privatkundengeschäft. Abgesehen von den Asset Managern, die bereits über ein Angebot für Privatkunden verfügen, planen 19 % der Befragten – ausschließlich große Akteure –, eine Privatkundenstrategie zu entwickeln, die sich auf digitale Tools und künstliche Intelligenz stützt. 36 % der kleinen und mittelgroßen Asset Manager erwägen Projekte zur Ausweitung ihrer geografischen Reichweite.

41 % der Asset Manager befürworten eine Kooperation, um ihre Vertriebsstrategie voranzubringen. Kooperationen werden hauptsächlich mit Vertriebspartnern umgesetzt (52 % der Befragten). 19 % der Befragten arbeiten zu Vertriebszwecken mit anderen Asset Managern zusammen. Dagegen sprechen sich 14 % gegen eine Kooperation aus, weil sie Kundenverluste befürchten.

Die Kundenkenntnis ist für 25 % der Befragten ein zentrales Thema. Bessere Informationen über die Kunden fordern große Asset Manager (Marketing- und Finanzteams) und französische Asset Manager (das derzeitige französische Modell des Contractual Settlement Date fördert nicht die Transparenz).

Selbstverständlich halten viele Institute die Diversifikation der Anlagen für unerlässlich, um eine gute Performance zu erzielen und zugleich die Risiken zu begrenzen. 42 % meinen, Diversifikation sei die Lösung für das Problem der niedrigen Renditen. Dies gilt vor allem im Bereich PE/RE, wo sich Asset Manager nach notleidenden Krediten (30 % der befragten alternativen Asset Manager) oder nach neuen Sektoren wie Kunst, Holz, Mode usw. (gleicher Anteil) umsehen.

Institutionelle Investoren wie Asset Manager setzen auf:

  • börsennotierte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETFs) und passive Anlagestrategien
  • alternative Anlageklassen, z. B. illiquide Kredite und PERE

ESG-Kriterien gelten im Grunde nicht als Diversifikationsinstrument, wurden aber trotzdem von fast der Hälfte der Befragten angesprochen. Ein Drittel der Befragten setzt sich nach eigener Aussage bereits für ESG-Aspekte ein. Andere beginnen, sich dafür zu interessieren, teilweise auch aus Anpassungsgründen. Gleichwohl sind sich alle Befragten einig, dass ESG-Strategien ein richtungsweisender Trend sind, den sie in ihre Anlagepolitik einbeziehen müssen. Dies gilt vor allem für PE/RE-Akteure.

Schließlich scheint sich nach Auffassung von 42 % der Befragten der Markt zunehmend und unaufhaltsam zu konsolidieren. 36 % ziehen sogar eine „weiche“ Konsolidierung in Form einer Partnerschaft mit einem Mitbewerber in Betracht.

 

Operative Strategien

Die operativen Strategien müssen den Regulierungsauflagen, den neuen Kundenbedürfnissen und dem Kostendruck Rechnung tragen. Dem finanziellen Aspekt kam in den Überlegungen der Befragten besondere Bedeutung zu. Die von 30 % der Befragten genannten digitalen Tools sind das wichtigste Werkzeug, um die Kosten zu senken und zugleich die Qualität und Flexibilität zu erhöhen.

64 % der Befragten gaben an, eine Outsourcing-Strategie zu verfolgen. Vor allem kleine Asset Manager und PE/RE-Manager (bei Letzteren mehr als 70 %) befürworten eine solche Strategie. Für das Outsourcing sind insbesondere die folgenden Funktionen vorgesehen: in 15 % der Fälle das Middle-Office, in 9 % die Reporting-Funktionen und zum gleichen Anteil alle Nicht-Kernfunktionen. Ferner bevorzugen 22 % der Befragten das Insourcing, räumen aber ein, dass sie ihre Meinung in den kommenden Jahren ändern könnten.

Außerdem wollen 28 % die Zahl ihrer Dienstleister deutlich reduzieren. Für Institutionelle Investoren geht damit auch eine Verringerung der Anzahl der Asset Manager einher. Ihre Absicht besteht vor allem darin, sämtliche Beziehungen auf digitale Plattformen zu verlagern, mit denen die Märkte und die einzelnen Anlageklassen konsolidiert werden können. Im Gegensatz dazu betonen die PE/RE-Manager, dass lokale Experten wichtiger sind als globale Akteure.

 

Neue Technologien

Neue Technologien und die Digitalisierung halten 84 % der Befragten für vorrangige Themen. Big Data, Robo-Advisors, die Blockchain, Prozessautomatisierung und künstliche Intelligenz verändern die Marktlandschaft. Paradoxerweise haben bisher nur wenige der Befragten passende Maßnahmen getroffen.

Lediglich 9 % haben einen klaren Aktionsplan, 43 % nehmen eine abwartende Haltung ein und 48 % sind bereits an Initiativen wie Robo-Advisors oder RPA (Robotic Process Automation: 32 %) beteiligt. Die Blockchain gilt unter den Befragten bislang vor allem als Modewort, da die meisten von ihnen noch nicht ausreichend mit diesem neuen Modell vertraut sind.

Zur Umsetzung ihrer digitalen Projekte wenden sich die Manager an ihre gewohnten Dienstleister. Dies gilt für zwei Drittel der Befragten. Ausschließlich die großen Asset Manager ziehen Partnerschaften mit Fintechs in Betracht (29 %), beispielsweise in Form von Beteiligungen an Inkubatoren oder Direktinvestitionen in digitale Lösungen.

 

 

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass diese Befragung, mit der die Trends in der Asset-Management-Landschaft zu Beginn des Jahres 2025 identifiziert werden sollten, drei Grundgedanken aufzeigt.

Große Asset Manager sind stark diversifiziert und setzen auf einen passiven, multisektoralen Investmentansatz. Außerdem verfügen sie über ausreichend Handlungsspielraum und können ihre Gebühren senken, um Mandate zu gewinnen. Kleine Asset Manager sind dagegen mit ihren individuellen Angeboten ideal aufgestellt. Mittelgroße Akteure werden die zukünftigen Herausforderungen am stärksten zu spüren bekommen, da sie nicht in der Lage sind, einzigartige Lösungen anzubieten, und es sich auch nicht leisten können, ihre Gebühren zu senken.

Allerdings ist die Größe nicht das einzige ausschlaggebende Kriterium. Die Fähigkeit, neue Technologien nutzbringend einzusetzen und hochqualifizierte Experten zu fördern, ist ein für den Erfolg wesentlicher Faktor. Er bestimmt, ob Akteure sich mit ihrem Nutzenversprechen von der Konkurrenz abheben können.

Alle Befragten betonten, dass eine bessere Kundenkenntnis unbedingt notwendig sei. Anhand Kundendatenbanken und entsprechender digitaler Tools kann das Kundenverhalten ermittelt und sogar vorhergesagt werden.

Es liegt auf der Hand, dass niemand ein Patentrezept besitzt, das die Entwicklung in diesem extrem wettbewerbsintensiven und sich ständig wandelnden wirtschaftlichen Umfeld gewährleistet.

Diese Studie zeigt vielmehr, dass wir nur gemeinsam eine erfolgreiche Zukunft gestalten können.

 

 

Die vollständige Studie ist am SGSS-Stand bei der ALFI Global Distribution Conference (Stand 18) am 25. und 26. September und ab Oktober unter www.securities-services.societegenerale.com/en/insights erhältlich.
2 MiFID II: Markets in Financial Instruments Directive (Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente); PRIIPs: Packaged Retail Investment and Insurance Products (Verordnung über Basisinformationsblätter für verpackte Anlageprodukte für Kleinanleger und Versicherungsanlageprodukte)

Dies ist eine Übersetzung des auf Agefi.lu in Französisch erschienenen Originalartikels.

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