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Auswirkungen von MiFID II auf Vermögensverwalter

Diese zurückhaltende Prognose zu den Veränderungen, die sich durch die Einführung der EU-Richtlinie „Markets in Financial Instruments Directive II“ (MiFID II) in der internationalen Vermögensverwaltung ergeben werden, kann man bedenkenlos abgeben.

Diese zurückhaltende Prognose zu den Veränderungen, die sich durch die Einführung der EU-Richtlinie „Markets in Financial Instruments Directive II“ (MiFID II) in der internationalen Vermögensverwaltung ergeben werden, kann man bedenkenlos abgeben.

Der Ausgangspunkt für MiFID II war offensichtlich, und die Richtlinie verfolgt lobenswerte Ziele. Aber ihre bloße Tragweite ist enorm. Ihre Komplexität zeigte sich zudem in der Entscheidung der Aufsichtsbehörden, die ICE Futures Europe, die London Metal Exchange und die Eurex für weitere 30 Monate von der Einhaltung der Handels- und Clearing-Vorschriften freizustellen.

Die nationalen Aufsichtsbehörden gewährten auch den drei Derivatebörsen der Euronext einen Aufschub für die Anwendung der Open-Access-Regeln im Rahmen von MiFID II. Diese Börsengruppe bekam zuletzt grünes Licht für Ausnahmeregelungen. Für die Handelsplätze in Paris, Brüssel und Lissabon gelten die Vorschriften erst ab dem 3. Juli 2020.

Natürlich wird es kurz-, mittel- und langfristig zu Veränderungen kommen. Daran besteht kein Zweifel.

Natürlich wird es kurz-, mittel- und langfristig zu Veränderungen kommen. Daran besteht kein Zweifel. Wer aber davon ausging, dass es unmittelbar nach der verzögerten Umsetzung von MiFID II am 3. Januar eine Art spektakulären Urknall geben würde, wurde enttäuscht. Die Erde hat nicht gebebt.

Die Richtlinie ist seit Kurzem anzuwenden, nachdem die von der ESMA eingeräumte einjährige Anwendungsfrist (ursprünglicher Starttermin war der 3. Januar 2017) abgelaufen war. Interessant ist allerdings, dass elf EU-Mitgliedstaaten die EU-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt haben. Die anderen Mitgliedsstaaten werden voraussichtlich in den kommenden Monaten nachziehen.

MiFID II gilt - im sich weiterentwickelnden Regulierungsrahmen - nach wie vor als zentraler Gesetzestext und wird zu gegebener Zeit das neue Branchenumfeld hervorbringen, das die Aufsichtsbehörden seit Beginn der globalen Finanzkrise vor zehn Jahren anstreben.

Anleger profitieren

Die Änderungen betreffen sowohl die Käuferseite (Anleger) als auch die Angebotsseite (Vermögensverwalter und deren Dienstleister).

Auf der Käuferseite können die Anleger mit einer Reihe von Vorteilen rechnen. Mit der zunehmenden Transparenz im Rahmen von MiFID II werden sich Endanleger stärker auf die mit der Anlage verbundenen Kosten und die zu erwartenden Erträge konzentrieren.

Sie werden erheblich von Verbesserungen im Reporting, der Transparenz bei der Preisgestaltung und der Ausführung von Handelsaufträgen, der zunehmenden Unabhängigkeit zentraler Finanzanalysen und der Zentralisierung von Geschäftsprozessen bei Marktinfrastrukturen profitieren.

Zugutekommen wird Anlegern auch die Anwendung der Vorschriften zur Vorhandelstransparenz bei Aktien und aktienbasierten Instrumenten, Anleihen, Derivaten und strukturierten Produkten sowie die Vorschriften, nach denen Anlegern nur Finanzprodukte verkauft werden dürfen, die ihren jeweiligen Bedürfnissen und ihrem Finanzwissen entsprechen.

Gebühren geraten unter Druck

Allein die Kosten- und Gebührentransparenz, die MiFID II mit sich bringt, wird den Wettbewerbsdruck am Markt erhöhen. Auf der Verkäuferseite wird sich der Niedergang mittelständischer Vermögensverwalter fortsetzen. Die Gebühren werden zunehmend unter Druck geraten. Die Auswirkungen werden sich zwar langsam bemerkbar machen, aber sie werden spürbar sein. Wer die neuen Anforderungen nicht erfüllen kann, wird abtreten müssen.

Die Giganten unter den Vermögensverwaltern werden weiter wachsen und immer größere Volumina an Vermögen einsammeln, weil Anleger und ihre Berater lieber auf Qualität und Stärke setzen – oder zumindest auf vermeintliche Qualität und Stärke.

Alle an diesen Transaktionen beteiligten Parteien erklärten offen, dass die Erfüllung aufsichtsrechtlicher Anforderungen und die Senkung der Geschäftskosten wichtige Antriebskräfte gewesen seien.

Allein das von Blackrock verwaltete Vermögen wuchs in zehn Jahren (2007-2017) um mehr als 400%. Zwar stammt ein Teil davon aus Übernahmen, aber den Großteil machen tatsächlich neue Mittelzuflüsse aus.

Auch Spezialisten werden weiterhin erfolgreich sein: Die Fähigkeit zur Erzielung vorab prognostizierter Erträge wird die Erhebung höherer Gebühren rechtfertigen. So verwaltet BlueBay, das im Jahr 2001 noch ein Start-up war, jetzt bereits 57,2 Mrd. USD Vermögen.

Durch die letztendlichen Kosten für die vollständige Einhaltung der Vorschriften wird es zu noch mehr großen Fusionen und Übernahmen kommen, ähnlich wie bei den jüngsten Beispielen Janus Henderson und Aberdeen Standard Life. Alle an diesen Transaktionen beteiligten Parteien erklärten offen, dass die Erfüllung aufsichtsrechtlicher Anforderungen und die Senkung der Geschäftskosten wichtige Antriebskräfte gewesen seien.

ETF-Sektor wird weiter wachsen

Der Sektor für börsengehandelte Indexfonds wird sein scheinbar unaufhaltsames Wachstum fortsetzen. Die Bereitstellung zuverlässiger Daten zur Preisgestaltung und -struktur von ETFs wird dazu führen, dass die Nachfrage nach ETFs in Europa steigen wird. Derzeit ist sie noch deutlich niedriger als in den USA.

ETFGI, ein unabhängiges Analyse- und Beratungsunternehmen für Trends in der internationalen ETF-/ETP-Welt, berichtete im Januar, dass das in europäische ETFs und ETPs investierte Vermögen im Laufe des Jahres 2017 um 40,1% gestiegen ist. Es erreichte im Dezember einen neuen Höchststand von 802,38 Mrd. USD. 

Laut dem European ETF and ETP Industry Insights Report von ETFGII, einem kostenpflichtigen jährlichen Research-Abonnementdienst, stieg das in europäische ETFs/ETPs investierte Vermögen im Jahr 2017 auf einen Rekordwert von 229,76 Mrd. USD und war damit mehr als doppelt so hoch wie der im Jahr 2016 erreichte Rekord von 67 Mrd. USD.

Der Anstieg um 40,1% (von 572,62 Mrd. USD Ende 2016) ist zugleich auch der größte Vermögenszuwachs seit 2009, als sich die Märkte von der Finanzkrise im Jahr 2008 erholten.

Im Laufe des Jahres 2017 verzeichneten in Europa notierte ETFs/ETPs rekordverdächtige Nettomittelzuflüsse von 108,28 Mrd. USD. Im Vergleich zu den 2016 zugeflossenen Mitteln war dieser Wert 94,4% höher und mehr als doppelt so hoch wie die durchschnittlichen Nettomittelzuflüsse der letzten fünf Jahre. ETFGI zufolge war der Monat Dezember 2017 zudem der 38. Monat in Folge, in dem an EU-Börsen notierten ETFs/ETPs Mittel zuflossen, wobei im Laufe des Monats 1,63 Mrd. USD zusammenkamen.

Wie geht es weiter?

Ganz im Sinne der klassischen Evolutionstheorie von Darwin werden wir schlussendlich hautnah miterleben, wie der Stärkere überlebt. Auch wenn die Veränderungen nur sukzessive voranschreiten werden können sich Investoren sicher sein, dass sie bevorstehen, und dass sie eine Reihe an Vorteilen werden.

Über die weitere Entwicklung wird man zwar nicht im Fernsehen berichten, aber nichtsdestotrotz steht uns eine spannende und lange Episode bevor.

Auswirkungen von MiFID II

Kurzfristig
Es wird zu mehr Fusionen und Übernahmen kommen
Mittelfristig
Durch die Gebührentransparenz wird sich das Verhalten von Endanlegern und Finanzberatern verändern
Langfristig
Die Zahl kleinerer Vermögensverwalter wird sinken – schon allein aufgrund der Geschäftskosten
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