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Experten-Bewertungen

Outsourcing 2.0

Das Outsourcing war bereits seit einigen Jahren ein fester Bestandteil des Post-Trade-Umfelds, bekommt jetzt allerdings neuen Aufwind.

5. Dezember 2016

Nicht nur mittelgroße Finanzinstitute sondern auch Großbanken und Vermögensverwalter nehmen immer ehrgeizigere Projekte in Angriff, um einzelne Aufgaben auszugliedern. Ihr Ziel dabei ist die Effizienz zu maximieren, die Reduzierung der Stückkosten und sowie den Schwerpunkt immer mehr auf Kernkompetenzen zu legen, indem ausgegliedert oder ein besserer externer Anbieter ausgewählt wird.

Die Gründe für das erneute Fokussieren auf das Outsourcing sind zahlreich: das immer komplexer werdende regulatorische Umfeld, Kostenzwänge insbesondere bei der Entwicklung von IT-Lösungen, der stärkere Wettbewerb in der Abwicklung sowie die Tatsache, dass die nun zur Verfügung stehenden Outsourcing-Dienstleistungen an Qualität gewinnen und eine breitere Palette bedienen. Infolgedessen setzt der regulatorische Wandel alle Finanzinstitute unter Druck, sowohl auf der Buy-Side als auch auf der Sell-Side. Zu diesen Anforderungen zählen ein aufwändigeres Berichtswesen, das zentrale Clearing von immer mehr Anlageklassen und strengere Regeln in Bezug auf Liquiditätsüberwachung und -management. Die OGAW-V-Richtlinie, EMIR, MIFID II, der Dodd-Frank-Act in den USA und ähnliche Maßnahmen weltweit schaffen ein komplexes Umfeld, in dem sich die Institute zurechtfinden müssen.

Auch das Wettbewerbsumfeld entwickelt sich weiter, da die Finanzinstitute bei ihren Prognosen einen globaleren Ansatz verfolgen. Buy-Side- und Sell-Side-Unternehmen sehen sich bei ihrer Expansion im Ausland einem Wettbewerb gegenüber, erfahren dasselbe jedoch auch auf ihrem Inlandsmarkt, da neue Akteure diesen Markt erschließen. Sie suchen eine Möglichkeit, rasch und effizient Marktanteile zu gewinnen, um sowohl auf ihrem Heimatmarkt als auch international wettbewerbsfähig zu sein. Einen globalen Geschäftspartner zu finden, könnte hierfür die richtige Lösung sein.

Verbesserungen der Outsourcing-Dienstleistungen

Der neue Trend kann größtenteils auf eine umfassende Verbesserung der Qualität sowie der Anzahl der Outsourcing-Möglichkeiten, die am Markt angeboten werden, zurückgeführt werden. Um eine bestimmte Funktion auszugliedern, müssen einem Finanzinstitut zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung stehen und es muss gewährleistet sein, dass im Falle von Problemen ein alternativer Anbieter bereit steht, damit das Finanzinstitut sich letztendlich nicht mit einer suboptimalen Lösung konfrontiert sieht. Eine breitere Palette an Outsourcing-Anbietern ermöglicht es Finanzinstituten ebenfalls, bei Vertragsverhandlungen eine bessere Ausgangssituation zu haben, als dies der Fäll bei lediglich einer Handvoll Anbietern wäre. In diesem Szenario hätte der Outsourcing-Anbieter bei den Verhandlungen nicht dieselbe Machtposition.
Damals im Jahr 2000 waren Outsourcing-Migrations-Vorhaben auch ein absoluter Albtraum und mit extrem hohen Risiken verbunden. Dies hat sich mittlerweile allerdings geändert und das Risiko eines Misserfolges ist gesunken. Die verbesserten Outsourcing-Dienstleistungen sind darauf zurückzuführen, dass die Anbieter umfassende Investitionen getätigt haben. Verbessert hat sich vor allem die Transparenz für die Kunden. Die Anbieter haben es den Kunden erleichtert, die ausgegliederten Funktionen zu überwachen und gewährten ihnen mehr Kontrolle über die Verfahren. Beratungsfirmen haben ebenfalls ihren Ansatz verbessert, mit dem sie Verfahren zur Unterstützung und zum Aufbau von umfassenden Transaktionenentwickelt haben. Somit ist es beispielsweise möglich, alle Funktionen des Middle-Office innerhalb eines Jahres auszugliedern.

In der Vergangenheit bestand eine der größten Hürden des Outsourcings darin, dass viele dachten, nicht genügend Kontrolle über die ausgegliederten Verfahren zu haben. Der allgemeine Konsens war, dass, sobald eine Funktion einer Drittpartei übergeben wurde, die Institution die Kontrolle über diese Funktion sowie ihre Expertise verlieren würde. Dies ist jedoch nicht mehr der Fall, da die Anbieter von Outsourcing-Dienstleistungen ihren Kunden die Möglichkeit geben, die ausgegliederten Tätigkeiten zu überwachen und ebenfalls Hilfe beim Veränderungsmanagement stellen. So wird das mit einem umfassenden Veränderungsprojekt einhergehende Risiko reduziert.

Ein neues Partnerschaftskonzept

Outsourcing-Dienstleistungen werden nicht nur von Banken angeboten, die in
 ihre eigenen Dienstleistungen investieren. Sie stärken ebenfalls ihr Angebot durch eine Partnerschaft mit anderen spezialisierten Insourcing-Unternehmen. Die Methoden dieser Spezialisten werden mit der Expertise in den Bereichen Abwicklung und Bankwesen der Banken kombiniert, um attraktive und hochwertige Lösungen anzubieten. Spezialisierte Insourcing-Unternehmen können die effizientesten Outsourcing-Vereinbarungen abschließen, da sie sich auf eine umfassende Expertise und Erfahrung stützen können. Sie haben große Investitionen getätigt, um ihr Angebot zu globalisieren und jede Zeitzone abzudecken. Somit können sie ihren Kunden eine weltweite Reichweite bieten, die für Institutionen sowohl der Buy-Side als auch der Sell-Side von immer stärkerer Bedeutung ist.

Société Générale Securities Services ist beispielsweise eine Partnerschaft mit Accenture Post-Trade Processing eingegangen, um eine Outsourcing-Lösung globaler Broker-Dealer-Dienste für institutionelle Broker, mittelgroße Banken und Broker-Dealer zu bieten. Der vollständig integrierte globale Dienst umfasst Dienstleistungen des Middle-Office, Back-Office-Verarbeitung und Abwicklungsdienstleistungen. In dieser spezifischen Vereinbarung hat Société Générale Securities Services die Verwaltung aller Back-Office-Verfahren und die IT-Architektur Accenture übergeben, während Société Générale direkt die Bankendienste wie Wertpapierleihe, Forex, Ausführungs- und Liquiditätsmanagement leistet.

Die Anbieter von Outsourcing-Dienstleistungen spezialisieren sich immer mehr auf Bereiche, in denen sie den größten Mehrwert einbringen können. Auf einem globalen Markt kann ein einziger Anbieter nicht weiterhin alle notwendigen Dienstleistungen anbieten. Banken wie Société Générale bieten ihren Kunden Outsourcing-Dienstleistungen an, geben jedoch über IT-Vereinbarungen auch Funktionen an externe Anbieter weiter. Im Mittelpunkt stehen die bestmögliche Qualität jeder Komponente des Abwicklungsumfelds sowie die Lieferung der besten Integration in das Gesamtergebnis.

Beim Eingehen von Partnerschaften mit anderen Anbietern muss gewährleistet werden, dass die Komponenten eines Outsourcing-Angebots so effizient wie möglich integriert werden. Alle Komponenten müssen zusammenarbeiten und hierfür gibt es nun neue Technologien.

Outsourcing des Middle-Office

Die kontinuierliche Verbesserung des Outsourcing-Angebots führt dazu, dass immer mehr Unternehmen auf der Buy-Side als auch auf der Sell-Side, einschließlich Banken, es in Betracht ziehen, ihr Middle-Office neben den traditionelleren Outsourcing- -dienstleistungen des Back-Office auszugliedern. Banken und Vermögensverwalter waren bis vor kurzem noch der Meinung, dass das Middle-Office zu wichtig sei, um es auszulagern. Das Middle-Office gilt als Überwachungsorgan der Leistung von Abwicklungsdienstleistungen und es spielt auch für die Kundenbeziehung eine wichtige Rolle. Es einer Drittpartei zu übergeben, wurde zuvor als zu riskant angesehen. Die Fortschritte in den Bereichen Überwachung und Kontrolle stärkten jedoch das Vertrauen der Firmen in das Outsourcing ihres gesamten Middle-Offices, ohne die Kundenbeziehung aufs Spiel zu setzen oder die Qualität ihrer gelieferten Abwicklungsdienstleistungen zu gefährden.

Dieser Ansatz zeigt, dass nun über Kerntätigkeiten anders gedacht wird, da dies bei der Entscheidung, eine Funktion auszugliedern, im Mittelpunkt steht. In der Vergangenheit wurden Kerntätigkeiten nicht ausgelagert. Da der Druck auf die Finanzinstitute vonseiten des regulatorischen Rahmens, der Kosten und des Wettbewerbs jedoch steigt, müssen sie überlegen, welche Investitionen sie tätigen können und bewerten, ob eine interne oder externe Lösung zu einer höheren Wertschöpfung führen wird.

Fazit

Zuvor waren bei der Auswahl eines Anbieters von Outsourcing-Dienstleistungen die Kosten von Bedeutung. Dies hat sich jedoch geändert. Der Preis wird natürlich immer ein entscheidender Faktor bleiben. Jedoch gibt es nun auch andere Faktoren wie die Investitionsfähigkeit in globale Plattformen, neue Technologien (einschließlich Blockchain, Robotik und Big Data), Komplexität des regulatorischen Rahmens und der IT-Infrastruktur.

In dem heutigen Abwicklungsumfeld nennen die Anbieter von Outsourcing-Dienstleistungen sich selber ‚Complexity Breaker‘, die anspruchsvolle Funktionen überwachen können und globale und integrierte Verfahren anbieten. Andererseits haben die Finanzinstitute mehr Vertrauen in die Outsourcing-Dienstleister, die erwartete Qualität zu liefern.

Die Partnerschaft hat für beide Vorteile, woraufhin ehrgeizigere Ziele gemeinsam angegangen werden können.