!css
Experten-Bewertungen

Das Collateral Management aus einem neuen Blickwinkel

In einem Kontext niedriger Zinsen, hoher Liquidität und günstiger Finanzierungen mag manch einer sich fragen, ob Collateral Management Priorität hat. Wenn Sie so denken, dann möchten wir Ihnen einen Thought-Leadership-Artikel des SGSS empfehlen. Es gibt bereits Anzeichen, dass die Zinssätze steigen und die Liquiditätsbedingungen sich verschlechtern werden. Daher ist es wichtig, dass Sie für die kommenden Herausforderungen gerüstet sind...

 

29/04/2015 Es ist Zeit für Asset Manager und Finanzinstitute, einige mutige Entscheidungen zu treffen, wenn sie ihr Collateral Management und ihr Liquiditätsmanagement auf das zukünftige Wachstum ihrer allgemeinen Investitionstätigkeit vorbereiten möchten.Die kombinierten Effekte der Verordnung über europäische Marktinfrastrukturen (EMIR), des Dodd Frank Acts (DFA), von Basel III, und der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID) verändern die Finanzmärkte, so dass die Teilnehmer ihre Strategien anpassen müssen. Wirtschaftsstudien schätzen, dass die Nachfrage nach erstklassigen Sicherheiten in den nächsten zwei Jahren auf 4 bis 11 Billionen US-Dollar steigen könnte (Basler Ausschuss, Bank of England & ISCO-CFTC). Dies ist vor allen Dingen durch die Eigenkapitalanforderungen von Basel III und die Einschusspflichten für durch zentrale Gegenparteien abgewickelte OTC-Derivate (siehe unten) bedingt. Um diese neuen Anforderungen einzuhalten, müssen die Unternehmen ihre Bearbeitungskapazitäten erhöhen, die damit verbundenen Kosten kontrollieren und ihre Finanzierungsstrategien verfeinern.

Entscheidendes Timing

Nach dem EMIR-Zeitplan wird das verpflichtende Clearing der OTC-Derivate in Europa für Clearing-Mitglieder (Kategorie 1) bis Mitte 2016 und für andere Gegenparteien (Kategorie 2) bis Mitte 2016 umgesetzt, sowie für Kategorie 3 bis Mitte 2017 und Kategorie 4 bis Mitte 2019. Für bilaterale Transaktionen von OTC-Derivaten ist ab September 2016 eine Besicherung (durch Ein- und Nachschüsse) erforderlich. Der so auf in Frage kommende Vermögenswerte ausgeübte Druck wird ab 2016 zunehmen.


Im aktuellen wirtschaftlichen Kontext mag es logisch erscheinen, Barsicherheiten zu nutzen, um den größten Teil des Besicherungsbedarfs zu stillen. Die Zinssätze sind in vielen Märkten der EU niedrig und die Kreditkosten bewegen sich nahe an ihrem historischen Tiefststand. Eine Entwicklung, die durch umfangreiche Programme zum Aufkauf von Wertpapieren der Europäischen Zentralbank, der US Federal Reserve und der Bank of England als Reaktion auf die globale Finanzkrise 2008 und die kürzliche Krise der Eurozone verstärkt wurde. Zum Beispiel erwarb die Europäische Zentralbank im März 2015 im Rahmen des Programmes zum Ankauf von Wertpapieren erstklassige Staatspapiere im Wert von 60 Milliarden EUR und plant, zwischen März 2015 und September 2016 Staatspapiere im Wert von 1140 Milliarden EUR zurückzukaufen.


Allerdings sind viele Wertpapiere, die für Besicherungen in Frage kommen, bereits anderweitig gebunden und durch Teilnehmer hinterlegt, die die Basel III-Anforderungen an die Mindestliquiditätsquote und an die strukturelle Liquiditätsquote einhalten müssen. Obwohl der Baseler Ausschuss die Kategorie der in Frage kommenden Vermögenswerte kürzlich erweitert hat, führen diese Quoten zu einem nicht zu vernachlässigenden Abfluss von erstklassigen Vermögenswerten. Es scheint eine unmittelbare und einfache Antwort auf diese Probleme zu geben: die Entscheidung für Barmittel. Tatsächlich schätzt die ISDA (International Swaps and Derivatives Association) in der 2014 veröffentlichten Margin Survey (Studie zu Einschusszahlungen), dass ungefähr 75 % der abgesicherten Forderungen derzeit durch Barsicherheiten, 15 % durch Staatsanleihen und 10 % durch andere Sicherheiten wie zum Beispiel Unternehmensobligationen und Dividendenpapiere gedeckt sind.


Aber wir müssen weiter in die Zukunft denken. Die Zeiten der niedrigen Zinssätze und der billigen Kredite werden irgendwann zu Ende gehen. Einige Marktsignale zeigen, dass die Investoren eine Erhöhung der Zinssätze in den kommenden Monaten antizipieren. Auch müssen die Unternehmen gut darüber nachdenken, wie sie ihren Verpflichtungen zur Besicherung nachkommen werden - für Bargeldbestände bei zentralen Vertragsparteien könnte ein negativer Zinssatz angewendet werden und es könnte auch eine Ausweitung geben (z.B. EONIA minus 35 Basispunkte für Bargeldbestände in EUR, bei LCH.Clearnet wird der Londoner Habenzinssatz angewendet). Zusätzlich wird bei Barmitteln ein Sicherheitsabschlag in Höhe von 8 % fällig, wenn die bilaterale Einschussverpflichtung auf eine andere Währung lautet als die Derivativverbindlichkeit - dieser Abschlag liegt also viel höher als der Sicherheitsabschlag bei erstklassigen Staatsanleihen.

Wo sich Gelegenheiten ergeben

Unter diesen Umständen sind Unternehmen, die die Besicherung effizient aus ihren globalen Barmitteln und Sicherheiten vornehmen können, in einer guten Position. Dies setzt voraus, dass das Unternehmen einen globalen Überblick über seine gehaltenen Beteiligungen in allen Geschäftszweigen und geographischen Märkten hat, in denen es tätig ist. Zur Besicherung seiner Positionen muss ein Unternehmen in der Lage sein, den Vermögenswert zu bestimmen, der in dem jeweiligen spezifischen Kontext unter Berücksichtigung der Einschränkungen am besten eingesetzt werden kann (Eignungskriterien, Sicherheitsabschläge, Konzentrationsfaktor, Korrelationsrisiken, Zuteilungspräferenzen und wirtschaftliche Faktoren). Dann muss es die beste Finanzierungsabfolge finden, um jeder Einschuss-Verpflichtung nachzukommen, und wählt so die Finanzierungsabfolge mit den niedrigsten Opportunitätskosten aus.


Es ist unnötig darauf hinzuweisen, dass es sich um einen komplexen Vorgang handelt. Einige Vermögensverwalter mögen über die nötigen Fähigkeiten und Ressourcen verfügen, um dies intern zu stemmen. Aber viele werden einen externen spezialisierten Sicherheitentreuhänder in Anspruch nehmen, der auf diesem Gebiet seine Kernfähigkeiten hat. Die Eignungskriterien und die Höhe der „Sicherheitsabschläge“ können variieren, in Abhängigkeit von der Bestimmung der Vermögenswerte - die ideale Finanzierungsabfolge zu finden kann kompliziert sein, wenn mehrere Gegenparteien beteiligt sind. Daneben müssen wir auch die Kosten für die Abwicklung der Besicherung einrechnen, die einen bedeutenden Einfluss auf die allgemeinen Besicherungskosten haben. Diese Abwicklungskosten können Sie mit der Hilfe Ihres externen Treuhänders kontrollieren, indem Sie einen integrierten Dienst in Anspruch nehmen, der Collateral Management und Depotservice vereint.


Mit der durch EMIR zunehmenden Anzahl an Aufforderungen zu Nachschusszahlungen werden die operativen Kosten von Sicherheiten, sowohl für zentral abgewickelte als auch für bilaterale Transaktionen von OTC-Derivaten, spürbar ansteigen. Viele Unternehmen müssen ihre Bewertung, ihr Collateral Management und ihre Abläufe optimieren, um Aufforderungen zu Nachschusszahlungen fast in Echtzeit bearbeiten zu können. Pünktlichkeit und Präzision sind hier von großer Bedeutung und eine effiziente Betriebsinfrastruktur ist für eine korrekte Durchführung erforderlich. Auch die Regulierungs- und Compliancekosten nehmen zu, da während des Transaktions-Lebenszyklus immer mehr Überprüfungen und Kontrollen eingeführt werden (Häufigkeit der Abstimmung, Berichte über Streitigkeiten, Follow-up zu Streitigkeiten, Eskalationsprozess...).


Probleme in diesem Bereich können sehr große Auswirkungen haben: ein Unternehmen kann Restrisiken ausgesetzt sein (Kredit, Liquidität, Compliance und Ruf) oder die eigenen Möglichkeiten einschränken, den Ertrag aus den Vermögenswerten zu optimieren. Allerdings kann ein Unternehmen auch bedeutende Kosteneinsparungen durch effizientes Collateral Management, die Optimierung und die Umwandlung der Besicherung erreichen. Zum Collateral Management gehören das Management von Transaktionen und die Abwicklung von Besicherungen, um ausstehende Positionen abzudecken. Die Optimierung von Besicherungen schließt die Mobilisierung von Sicherheiten mit ein, die in fragmentierten Pools untergebracht sind und entsprechend der von den Empfängern spezifizierten Eignungskriterien am effizientesten eingesetzt werden müssen. In Fällen, in denen einem Unternehmen keine Besicherungen in der erforderlichen Qualität für eine bestimmte Anforderung in seinem Portfolio zur Verfügung steht, kann eine Umwandlung der Sicherheiten (oft als ein Upgrade der Besicherung) erforderlich sein, um diesen spezifischen Bedarf zu erfüllen.


Zusätzlich müssen die Unternehmen detaillierte Planungen erstellen, wie sie ihre Besicherungs- und Liquiditätsanforderungen unter Stressbedingungen erreichen. Durch detaillierte Stresstests und Szenarioanalysen kann ein gut qualifizierter Sicherheitentreuhänder für den Kunden sehr wertvoll sein und ihn bei der Planung unterstützen, wie das Unternehmen seinen Finanzierungs- und Besicherungsbedarf in Krisenzeiten stillen kann.


Ein effizientes Collateral Management ist ein industrialisierter Prozess, bei dem es darum geht, Skaleneffekte zu erzielen. Wenige Vermögensverwalter haben die nötige Größe für die Entwicklung von in-house Fähigkeiten. Einige große Vermögensverwalter könnten sich dafür entscheiden, das notwendige Fachwissen für Collateral Management in-house aufzubauen. Für viele kleine und mittelgroße Fondsgesellschaften macht es allerdings Sinn, diese Aufgabe an einen Spezialisten für Collateral Management abzugeben. „Wir glauben, dass die Zeit, als Asset Manager alle Vorgänge selbst bearbeitet zu haben, vorbei sind, “ sagt Clément Phelipeau, Produktmanager, Derivatives and Collateral Management Services, bei der Société Générale. „So wie die meisten Fondsmanager bereits entschieden haben, ihre Aufgaben in den Bereichen Buchhaltung und Verwaltung an spezialisierte externe Dienstleister weiterzugeben, so können wir jetzt und für die Zukunft davon ausgehen, dass die meisten Fondsmanager die Dienste eines spezialisierten Sicherheitentreuhänders in Anspruch nehmen werden, um ihre Besicherungsanforderungen und die verbundenen operativen Verpflichtungen zu erfüllen.“

Outsourcing-Lösung für Collateral Management

Société Générale hat im April 2015 eine Outsourcing-Lösung für Collateral Management auf den Markt gebracht, um die Kunden beim Management der komplexen Umgebung des Collateral Managements zu unterstützen. „Tempo“, so der Names des Collateral-Services auf Agent-Basis, leistet Unterstützung über eine große Bandbreite an Assetklassen und bei allen Arten von Besicherungsrisiken; der Handel mit Derivaten (sowohl börsennotiert als auch OTC), Wertpapierverleihgeschäfte und -leihgeschäfte und liquiditätszuführende Repo-Geschäfte eingeschlossen.   „Tempo“ gehört zu „Orchestra“, dem allgemeinen Angebot der Société Générale zum Thema Derivate. Durch die Zusammenführung des Fachwissens der Société Générale zum Collateral Management von verschiedenen Vermögenswerten unterstützen wir unsere Kunden dabei, ihre Vermögenswerte in den nächsten Jahren möglichst effizient einzusetzen.


Clément Phelipeau erklärt, dass den Kunden nun ein einziger zentralisierter Dienst für Collateral Management entlang der gesamten Wertschöpfungskette zur Verfügung steht: Vom Prozess der Berechnung der Sicherheitsleistungen (Margining) über das Asset Pooling bis hin zur Asset Allokation und Optimierung lassen sich operative Kosten sowie Finanzierungskosten reduzieren, die Komplexität verringern und die übergeordnete Performance durch eine effiziente Post-Trade Strategie verbessern.